Gesund schrumpfen

Die Uckermark wird immer leerer, laut OECD-Richtlinie zählt sie wahrscheinlich gar nicht mehr als besiedelt.

Und das ist gut so! Weniger Menschen und mehr Platz nicht nur dort, sondern überall in Deutschland – was soll schlecht daran sein? Nicht sinkende Bevölkerungszahlen sind ein Problem, sondern die Panikmache der im Alten Denken verhafteten Lautredner. Gute Ökonomie passt sich immer den Erfordernissen an. Der strukturelle Umbau ist eine Herausforderung und Chance.

Wo wird öffentlich vor-gedacht? …

In Brandeins gab es letztens einen Schwerpunkt »Rückbau« / Gesund schrumpfen.

Am Bauhaus Dessau gibt es das Forschungsprojekt »Schrumpfende Städte«.

Im September 2004 beginnt in den Berliner KunstWerken die Ausstellung »Shrinking Cities«.

Die Internationale Bauausstellung IBA 2010 hat den Stadtumbau zum Leitthema.

Weiß jemand, ob man am Difu diesbezüglich forscht?

8 Comments

  1. Hans Freitag, 23. Juli 2004

    Stimmt, sinkende Bevölkerungszahlen sind per se nicht schlecht. Riskant ist nur, dass die Entwicklung nicht gleichmäßig erfolgt, sondern sich soziale und ökonomische Verschiebungen ergeben. Wenn sich die zukünftige Bevölkerung nicht angemessen darauf einstellen kann (fehlender Spielraum für Innovationen) dann wirds eng.

    Zebralog hat übrigens mit Partnern auch an dem Shrinking Cities Wettbwerb teilgenommen. Unser Vorschlag, wie Jugendliche in den Regionen miteinander in Kontakt kommen können und ihre Region aktiv gestalten, hats zwar nicht in die 2. Runde geschafft, aber wir bleiben dran.

  2. jl Sonntag, 25. Juli 2004

    Kleine Anmerkung, lieber Hans: Ich sehe bei Veränderungen eher die Chancen, als die Risiken. Konkret ist’s riskanter, wenn alles beim Alten bleibt, als wenn es sich ändert. Der reaktionäre Versuch, den status quo fortzuschreiben, wird scheitern, muss gestoppt werden. Stattdessen muss eine sich – u.a. – in der demografischen Struktur ändernde Gesellschaft gestaltet werden. Wenn zebralog da dran bleibt, wird’s gelingen! 😉

    s.a. http://www.novo-magazin.de/71/novo7108.htm (Novo 71: Die Zukunft ist bezahlbar!)

  3. Hans Dienstag, 27. Juli 2004

    Zieht man also die Folgen der steigenden Produktivität und das wahrscheinliche Entwicklungsszenario der realen Beitragszahlerquote für die nächsten 50 Jahre in Betracht, ist die Annahme, dass das Altern für uns “unbezahlbar” ist, keineswegs stimmig. Im Gegenteil: Wir sollten uns auf größeren Wohlstand für alle Menschen freuen.

    “größerer Wohlstand” –> Ja
    “für alle Menschen” –> So wie’s aussieht, Nein.

    Das entscheidende Problem ist, wie der Wohlstand verteilt wird. Im letzten Jahr hat die Bootsmesse in Düsseldorf rekordmäßig Luxusyachten verkauft, während woanders die Praxisgebühr eingeführt wurde. Klassenkämpferische Parolen sind fehl am Platz, die Frage ist jedoch, nach welchem Prinzip man Wohlstand verteilt:

    – Leistung muss sich lohnen.
    oder:
    – Wer krank und ungebildet ist, kann nichts leisten.

    In welchem Satz steckt der Fehler?

  4. jl Dienstag, 27. Juli 2004

    Puuuh, was für eine Frage! 😉 Wohlstand wird nach dem Prinzip verteilt, nach dem der Kapitalismus funktioniert. Die Praxisgebühr macht nicht wirklich arm; sie ist das rote Tuch, an dem sich Lobbyisten und andere Regierte abarbeiten können. Ein Ablenkungsmanöver!?
    Stimmt, klassenkämpferische Parolen sind fehl am Platz, haben auch keine homogenen Adressaten mehr. Sozialneiddebatten sind aber auch nicht hilfreich.
    Ich denke schon, dass der Wohlstand potenziell für alle Menschen, aber graduell unterschiedlich, steigt. Ich verstehe darunter auch Arbeits- und Lebensbedingungen, qualitative Verbesserungen.
    In welchem Satz der Fehler steckt? Krank und ungebildet korrelieren relativ selten. Ich denke aber, der Fehler steckt in der Frage, die die beiden Aussagen zu Alternativen aufbaut.

  5. Hans Dienstag, 27. Juli 2004

    Na, ein kleiner Disput mit Jürgen ist doch immer wieder schön. Wo bleibt Feuerhake?

    Aber zurück zum Ernst der Lage:

    Praxisgebühr, ok das ist wirklich nicht der Kern, ist nur ein Symbol (das sich schnell tippen lässt).

    Das Prinzip, nach dem der Kapitalismus funktionert, ist kein einheitliches Konzept, sondern ein vielfältiges Regelwerk mit lokal ganz unterschiedlichen Ausprägungen. In Lateinamerika z.B. ist der Wohlstand extrem unterschiedlich verteilt, die Gesamtökonomie vergleichsweise schwach. Einigen wenigen Personen geht es jedoch blendend. In Europa ist das Wohlstandgefälle im Mittelmaß, die Ökomomien sehr stark. Bei einem idealen Kommunismus (100% gleicher Wohlstand) scheint es der Ökonomie nach den Erfahrungen der Menschheit auch nicht so besonders gut zu gehen.

    Ich ziehe daraus die Schlussfolgerung, dass wir eine ausbalanciertes Maß an Wohlstandsgefälle haben müssen, damit die Gesamtökonomie wohlhabend wird. Viele Ökonomen prpagieren aber aus den besten Absichten heraus, dass wir mehr Ungleichheit brauchen, damit es uns wieder besser geht. Das ist aber nur vor dem Hintergrund eines regellosen globalen Kapitalismus richtig und macht den gesamten Globus ärmer.

    Daher: Der Novo-Autor hat völlig recht – wir müssten eigentlich immer reicher werden. Auch wir in Deutschland haben immer noch ein absolutes Wirtschaftswachstum (bei sinkenden Beschäftigtenzahlen). Aber wo bleibt denn die Kohle? Warum haben die Kommunen kein Geld mehr? Wohin verschwindet sie?

    Feuerhake, übernehmen Sie!

  6. Feuerhake Mittwoch, 28. Juli 2004

    Hm, ‘wir haben ein absolutes wirtschaftswachstum’ ist sicher eine unzulaessige vereinfachung. es verhaelt sich eher wie mit den reiskoernern auf dem schachbrett. Zehn jahre .5% weniger als die oekonomische ‘peer group’ kann uns schwierigkeiten machen. Denn das wirtschftswachstum ist auch ein mass fuer die aenderung produktivitaet der eingesetzten faktoren. Gerade bei uns, wo sich wirtschaftswachstum nur noch aus produktivitaetssteigerungen wird generieren lassen. .5% ueber zehn jahre kann heiszen, wenn man von aehnlichen demographischen voraussetzungen ausgeht, dass die produktivitaet der letzten einheit arbeit und der letzten einheit kapital weit hinter der, der, nun ehemaligen, peergroup zurueckfallen. Da aber die produktivitaet der letzten einheit eines eingesetzten faktors gerade der faktorentlohnung entspricht heiszt das ‘sinkende renditen’ und ‘sinkende loehne’. Es geht dann schnell ans ganz ganz eingemachte. An das einkommen der faktoreinsetzer, die sich dann ueberlegen muessen ob sie, sie haben ja nur ein leben, ihren sauer ererbten oder eben angebohrenen faktor nicht woanders produktiver beschaeftigen koennen. Kapital ist, was solche wanderungen angeht, erheblich flexibler als arbeit, aber beide faktoren werden dann anfangen zu migrieren. Die produktivsten zuerst.

    Soviel zur thoerie.

    Da wir nun wissen, dass die produktivsten zuerst gehen, wissen wir, dass Hans mit seinem initialkommentar richtig liegt. Wir koennen eben von keiner gleichmaeszigen schrumpfung ausgehen

    F(0.5K, 0.5L) != 0.5F(K,L)

    und weiter

    F(0.5K, 0.5L) < 0.5F(K,L)

    und das ist das problem. Man muss dafuer sorgen, dass die letzte einheit eingesetzten faktors immer noch ein wenig produktiver wird, dann spielt man weiter mit, auch wenn die bevoelkerung schrumpft. Die wege muss man finden: zuerst sehe ich da einwanderung, es muss doch ein paar pakistanische ingeneure geben, die nich mehr nach amerika einreisen duerfen (aber es gibt ja kraefte hier, die das ums verrecken nicht wollen) , man muss die ausbildung im wirtschaftsraum staerken, auch was wobei wir uns mit den vereinten kraeften der volksparteien immer froehlich selber ins knie schieszen (gestern erst wieder),

    ach ja, auch sehr wichtig:
    nicht denken ein wenig kinder statt inder hilft. das schafft zwar wirtschaftswachstum, mehr leute brauchen mehr brot, loest aber das produktivitaetsproblem nicht. Gelle, herr stoiber, hauptsach die wahl wird gewonnen.

    das ist jetzt natuerlich alles viel viel zu wenig, aber auch die anderen argumente unterstuetzen die these, dass man keinen urlaub von der technologischen entwicklung nehmen darf, wenn man morgen nicht weniger haben will als heute.

    p.s. klaert das auch die frage wohin das geld verschwindet, es migriert

  7. jl Mittwoch, 28. Juli 2004

    Sag ich doch, Bildung ist das A und O für diese Gesellschaft! Ratet ‘mal, warum ich mich hier – act local! – an der Qualitätsfront aufreibe. 😉
    Aber insgesamt verstehe ich deine Argumentation nicht, lieber Jörg! – Dazu mehr in einem neuen Post, demnächst hier…

  8. Hans Mittwoch, 28. Juli 2004

    F(0.5K, 0.5L) > Brain of Hans

    Aber was ich verstanden hab: Das Geld migriert. Ich werde mal weiter beobachten wohin es migriert.

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