Hochschulen und IT-Strategie

2 Tage war ich im Bergischen Land, in Gummersbach. Der sperrige Titel des Seminars: „IT-Unterstützung von Veränderungsprozessen – Hochschulen und ihre Steuerung im Digitalen Zeitalter“. Steuerungsaspekte und -ansätze unterschiedlicher Hochschulen wurden vorgestellt und diskutiert. So gut es ging in der Kürze der Zeit.

Das vielleicht Innovativste der Veranstaltung war, dass die Aspekte (betriebswirtschaftliches) Hochschulmanagement, IT-Strategie und Qualitätsmanagement zusammen gedacht, als sich wechselnd beeinflussende Notwendigkeiten im Bologna Prozess betrachtet wurden. Abgesehen vom Plenum musste man sich als Individuum natürlich für einen der drei parallellen Tracks entscheiden. Das Interdisziplinäre blieb im Track IT-Strategie zum Glück im Fokus.

Das Fazit vorneweg: IT matters!

Die Vorträge behandelten Themen und Fragen wie: Was ist der Wert einer guten IT, was ist eine gute IT, und wie lässt es sich messen? Ist IT ein Wettbewerbsfaktor? Verantwortung, Zuständigkeit und Kompetenz dezentralisieren, Strategie und Services – vor allem Netze und Identity Management – (re)zentralisieren. Wie kann man heterogene IT-Landschaften harmonisieren und wie könnte eine Next Generation University Infrastructure aussehen? Wie weiter mit eLearning (zwischen Geldsenke / Anspruch und Wirklichkeit / Notwendigkeit)?

Zwei der interessantesten Beiträge waren „SAP-lastig“ und trugen bei mir zum Abbau von Vorurteilen bei. Thomas Rupp stellte Geschichte, Aufgaben und Arbeitsweise des Niedersächsischen Hochschulkompetenzzentrums für SAP vor. Kooperatives Arbeiten trotz Wettbewerb zwischen und Autonomie von Hochschulen muss also kein Phantasma sein. Das Kompetenzzentrum und die Arbeitsgruppen stemmten in kürzester Zeit (6 Monate) die Einführung zahlreicher SAP-Module auf der Basis eines Referenzmodells. SAP wird zentral in zwei RZ für jetzt 11 Hochschulen gehostet. 10 Mitarbeiter im Kompetenzzentrum unterstützen 70 Key-User, die wiederum 2000 Endanwender supporten. Durchschnittlich 35 Fälle täglich erlauben dem Kompetenzzentrum immer noch eine Arbeitsweise ohne Ticketing und SLAs.

Michael Wilmes ist Chef der Verwaltungs-IT (eAS) an der FU Berlin. Er sprach sehr anschaulich über den Erkenntnisprozess innerhalb des FU-Managements, dass die IT strategisch ausgerichtet und die Fakultäten und andere Gliederungen und Gremien einbezogen werden müssen. Das ist jetzt, wenn ich es richtig verstanden habe, etwas über vier Jahre her. Inzwischen erfolgte eine Hard- und Software-Inventarisierung, auf deren Basis eine IT-Strategie erarbeitet werden konnte. Die IT-Zuständigkeiten wurden hochschulweit neu geordnet (zentrale Steuerung, zentralisierte Services, dezentrale IT-Verantwortliche), ein handhabbares Sicherheitskonzept wurde ausgehend vom IT-Grundschutzhandbuch des BSI erstellt. Es gab mehrere Teilprojekte, so die Sichere Bürokommunikation und vor allem das SAP-basierte CampusManagement. Hinsichtlich CampusManagement fand ich Wilmes‘ sachliche Beschreibung des Erreichten spannend und erfrischend, vor allem wegen der verzerrten und ablehnenden Berichterstattung in den Medien 2005/6. (Um das meinerseits klarzustellen: sinnvoll, gar notwendig ist eine zentrale, einheitliche CampusManagement-Software auf jeden Fall. Genau wie der Bologna Prozess selbst. Das Gejammere vom Untergang der „diskursiven deutschen Qualitätsuniversität“ ist kaum noch erträglich. Genau wie die fundamentale Ablehnung von Studiengebühren – da kommt es auf die Ausgestaltung und Finanzierungsmodelle an. Beides, der Bologna Prozess und Studiengebühren führen eben gerade nicht zur Ausgrenzung von Studierenden aus wirtschaftlich schwächeren Schichten, wie internationale Untersuchungen zeigen.)

Vom New Public Management (NPM) und seiner deutschen Adaption, den Neuen Steuerungsmodellen (NSM) sowie von Mintzbergs Managementtheorie grundiert ordnete Michael Wilmes das Hochschulmanagement, die Steuerung des Hochschulmanagements mit Hilfe der IT, überzeugend in den integrierten eGovernment-Begriff des Difu ein. Obwohl dies auf der Hand liegt: so weit wurde in keinem anderen Vortrag gedacht.

IT matters! Auch an Hochschulen.

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