Ich denke, Informationsverarbeitung ist ein gutes Wort.

Für den Jahresbericht 2009 des Fraunhofer ISST hat dessen Leiter Prof. Dr. Jakob Rehof ein Gespräch (PDF) mit Prof. Dr. Horst Zuse, dem Sohn des Computer-Pioniers Konrad Zuse, geführt. Beide parlieren am Rande etwas über den Begriff »Informatik«, das soll hier jetzt etwas ausgebreitet werden. Zuse will wohl etwas provozieren und sagt also:

Wenn wir hier über die Informatik reden und dieses Wort so oft gebrauchen, muss man ja bedenken, dass wir keine eindeutige Definition haben, was Informatik eigentlich ist […]

Worauf Rehof wortreich verteidigt:

… mit dem Begriff »Informatik« liegt die deutsche Sprache in jedem Fall ganz gut. Dieses Wort fehlt anderen. In Diskussionen im englischsprachigen Raum sieht man beispielsweise an vielen Stellen, dass man mehr und mehr Probleme mit dem Begriff »Computing« hat. »Computing« hat immer noch den Geruch von »Zahlen bearbeiten«, aber mit dem Internet ist ja beispielsweise die Idee der Kommunikation sehr viel wichtiger geworden. Wenn Sie daher heute nach dem Wort »Informatics« googeln, dann finden Sie es in vielen englischen Einträgen, wo Sie es vor 20 Jahren nicht so gefunden hätten.

Sehen wir Herrn Rehof den Lapsus nach, dass man noch nicht ‚mal ganz 12 Jahre googeln kann; es kommt einem schließlich wirklich schon wie eine kleine Ewigkeit vor. Davor war Gopher & Co. Aber egal, der Herr Rehof kommt hier mit einem nach allen Seiten hin ausgefransten Kommunikationsbegriff: Alles ist Kommunikation, man kann nicht nicht kommunizieren. So tönte es in den Achtzigern ff. von den Lippen der Avantgarde. Jetzt ist also, frei nach Rehof, alles was man im Internet nicht nicht macht Kommunikation. Und weil da Bits fließen, ist’s Informatik. Und was entgegnet der der Pensionierung entgegen eilende Zuse jun.?

Sie stellen ja heute Informationen mit Nullen und Einsen dar. Das ist Rechnen und das ist auch, was global im Netz passiert. Mein Vater hat bereits 1936 eine immer noch hochmoderne Definition des Rechnens gegeben. Er hat in seiner Patentanmeldung gesagt: Es sind Daten, es sind Befehle, es sind Namen. Alles in Null-Eins-Kombinationen – er hat es damals Zweier-Variationen genannt. Wir haben Zweier-Variationen, wir haben eine Vorschrift, und es kommen neue Zweier-Variationen heraus. Und was haben wir denn im Internet? Wir haben immer Bits, immer Zweier-Variationen. Und dann kommt ein Router dazwischen, ein Server und so weiter. Und was machen die mit diesen Zweier-Variationen? Sie haben alle eine Vorschrift da drin und ändern sie in neue Zweier-Variationen. Tja, und daran können Sie sehen: Alles ist Rechnen.

Und dann sagt er jenen Satz, der dieser Arabeske den Titel gab. Natürlich kommen immer mehr Anwendungen und bessere Techniken hinzu, die die Technologie evolvieren lassen. Aber im Kern bleibt eben alles Rechnen.

Ich finde den Begriff aus persönlichen Gründen ganz und gar nicht regressiv; wer in den Siebzigern zum Beispiel in Dresden die informatische Disziplin studierte, der studierte Informationsverarbeitung. Und er wurde nicht Dipl.-Inf. sondern Dipl.-Ing.; Zuse sen. hätte das sicher gefallen.

Aber auch von Rehof kommt im Gespräch noch eine Anregung, der nachzusinnen ich mich jetzt aber erst einmal verweigere. Es ist schlicht zu heiß. Für mich und den Rechner bzw. Computer.

Für die Informatik spielt die Industrie die Rolle, die die Natur in den Naturwissenschaften einnimmt.


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