Kapitalismus

„Wenn es zutrifft, dass Wirtschaftssysteme blind evolvieren und sich der bewussten Kontrolle entziehen, dann wird es immer wieder zu Systemkrisen kommen. In wirtschaftlichen Chaossituationen obsiegt das strategische Verhalten. Dann gilt das Prinzip »Bonität als Feuerkraft«.“
Heiner Mühlmann, 18. Folge, „Die Zukunft des Kapitalismus“


Erst seit ein paar Wochen steht dies an einer Münchner Hauswand. (Nicht in der Vorstadt, sondern im Glockenbachviertel.)

Die Krise ist also angekommen.

Und da der Tanker träge und schwer manöverierbar ist, ist es fast zu spät, sich über die Zukunft des Kapitalismus Gedanken zu machen. Während sich die Akademiker-Zunft der Ökonomen an den Schulen scheinbar sinnlos über Werkzeuge, Methoden und Paradigmen streitet, während uns die Finanzartisten in der Zirkuskuppel ein »V« für ein »U« vormachen, denkt man anderswo durchaus kreativ darüber nach, wohin dieser träge Tanker gesteuert werden soll: Im FAZ-Feuilleton gibt es eine wunderbare Reihe zur »Zukunft des Kapitalismus« mit überwiegend sehr bedenkenswerten Texten von Schriftstellern, Soziologen, Literaten, Lobbyisten; eröffnet hat die jetzt auf 18 Folgen angewachsene Reihe Thomas Strobl (Blogs: weissgarnix sowie Chaos as usual). Die ganze Diskussion hat trotzdem so etwas wie einen roten Faden, das ist natürlich die Sinnfrage, hier gestellt von Fritz B. Simon:

Wohin wollen wir mit diesem Kahn fahren? – oder realistischer: Wo wollen wir auf keinen Fall landen? – muss öffentlich diskutiert und politisch entschieden werden. Dabei sollten wir uns darüber klar sein, dass Boote, die nicht gesteuert werden, an Ufer getrieben werden können, die man lieber nie entdeckt hätte.

Da aber nach dem Crash vor dem Crash ist, ist es für solche Debatten nie zu spät.


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