Kluge Dahlemer Sommernacht

Ich habe die diesjährige Lange Nacht der Wissenschaften sehr entspannt und genießend auf dem Campus der FU in Dahlem, in der Takustraße am Standort des Zuse-Instituts sowie den Instituten der Mathematiker und Informatiker, verbracht.

Wann kommt man schon ‚mal in den unterirdischen Rechnerraum mit einem massiv-parallelen Supercomputer – dem berliner Teil des HLRN? Das derzeitige, 10 Jahre alte System besteht noch aus IBM p690-Systemen. (Damals Platz 48 in den Top500.) Die laufende Ausschreibung für ein ersetzendes System hatte sich durch die Auswirkungen der Föderalismusreform um mindestens 1 Jahr verzögert. Nebenbei gab’s einen kurzen Überblick zum Supercomputing und auf museale Stücke. (HPC-Service des ZIB; Handyschnappschüsse zeigen den Platz für das kommende System, einen Frame mit 32 CPUs, Sun-Server für andere Dienste, die Cray von 1984.)


Dann gab’s wirklich gute Vorträge von Doktoranden zu angewandter Graphentheorie: die von Landkarten her bekannte Graphenfärbung als superschnelle Lösung für Sudoku-Rätsel sowie den Klassiker der Kürzesten Wege zur Modellierung und Entdeckung eines Paradoxons bei der Verkehrsplanung, der im Euler-Jahr natürlich nicht fehlen darf.

Sibylle Volz vom KOBV gab einen Überblick für Einsteiger und zeigte Anwendungsfälle von Web2.0-Dienste für Bibliotheken.

Man konnte Einige an auf Visualisierungen, Muster- sowie Merkmalserkennung beruhende Projekte und Experimente bestaunen, darunter Lenné3D, Gesichtserkennung, 3D-Gesichtsmodellierung, Stömungen bei Tragflächen und Schiffsschrauben. Besonders eindrucksvoll ist das auf der neuen, 10m breiten 3D-Leinwand im Studio da Vinci.

Prof. Deuflhard stellte in seinem Vortrag (mathematische Operationsplanung, Geistes- und Kulturgeschichte zur Schönheit) die rhetorische Frage: Was ist ein schönes Gesicht? Eigentlich konnten alle bekannten Hypothesen, die sich auf Durchschnitt, Symmetrie, Universalität, Evolution usw. als alleinige Erklärung stützen, „nur“ widerlegt werden: es bleibt zum größten Teil ein Geheimnis.

Der Schwerpunkt „Mathematik für die Sinne“ im benachbarten Institut für Informatik reizte mit Klanginstallationen im nächtlichen Bambusgarten, Live-Musikbeispielen symmetrischer und zufällig konstruierter komponierter Musik von Mozart sowie einem Vortrag von Prof. Behrends zu Verbindungen zwischen Mathematik und Musik. Und Escher.

        

(gegen Mitternacht im Bambusgarten der Institute für Mathematik und Informatik)

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