Männer

Gestern Abend gab’s hier in Mainz eine sehr interessante Podiumsdiskussion. Das Institut für Filmwissenschaft hatte Olivier Assayas und Christian Petzold eingeladen, Prof. Dr. Oksana Bulgakowa und Dr. Roman Mauer moderierten. Die beiden innovativen Regisseure des französischen und des deutschen Gegenwartskinos sprachen, wirklich ständig auf einander Bezug nehmend, über ihren Arbeitsstil, Einflüsse, ästhetische Grundhaltungen usw. Es gab da interessante Vergleiche bzw. Übereinstimmungen zwischen Assayas Film »Demonlover« von 2002 mit Petzolds »Yella« von 2007 einerseits sowie »Carlos« (2009) und »Die innere Sicherheit« (2000) andererseits zu hören. [1]

Aus dem Publikum kam die Frage zum Vorgehen beim Casting der männlichen Darsteller. Christian Petzold ging dankbar darauf ein, wurde in seiner Antwort gar etwas episodisch. Es sei schwierig, gute Schauspieler mit maskuliner Ausstrahlung im so genannten besten Alter zu bekommen, irgendwie gäbe es nur noch Typen, die mit Ende 40 gerade aus der Pubertät ‘raus sind oder die eine irgendwie tastende, zweifelnde, ständige Selbstreflexion ausstrahlende Körpersprache haben. Kurz, so Typen, denen man abnimmt, dass sie ein Pferd reiten oder ein Fenster öffnen können, seien knapp. – Als Dominik Graf »Im Angesicht des Verbrechens« gedreht hat, sei der Markt für zwei Jahre praktisch leergefegt gewesen.

Das hat natürlich gar nichts mit den haarsträubenden Dingen zu tun, die man da im Manifest der grünen NRW-Männer – „Nicht länger Machos sein müssen“ – lesen muss. [2]

[1] CARGO 02/2009 brachte ein sehr interessantes Gespräch mit Assayas und zu »Carlos«. Der Film lief 2010 in Cannes außerhalb des Wettbewerbs.
[2] Gerhard Amendt hat im dradio auf die Ängstlichkeit und Hilflosigkeit des Textes deutlich hingewiesen.


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