Mit offenen Augen und offenem Geist

So möchte Cindy Sherman ihre Bilder betrachtet wissen. Sagt sie am Ende eines durchaus erstaunlichen Interviews mit Christina Weiss, die wiederum ihr Gespräch mit der Künstlerin in deren Atelier in New York so zusammenfasst:

Ich sitze einer wunderbar kindlichen Spielerin gegenüber, die mit ihren Körperverfremdungen die Welt kommentiert – durchaus lachend und heiter.

Wer wie ich die Filme von David Lynch mag, der wird sich vermutlich auch über die Werkschau (30 Jahre Œuvre, Katalog) im Gropiusbau in Berlin freuen und die Bilder genießen. Die Theoretiker und Deuter haben sich an ihr und ihren Bildern abgearbeitet, tun es immer noch, wie in der Ausstellung nicht zu überhören ist. Doch Sherman selbst nimmt eine angenehm antitheoretische Gegenposition ein. Auch sind alle ihre Bilder wie Serien „Untitled“, die Titel der meisten thematischen Serien sind Zuschreibungen der Kunstkritiker. (Es gibt einige Ausnahmen wie „Bus Riders“ und „Untitled Film Stills“.) Ihre Bilder bieten Projektionsmöglichkeiten für die Phantasie des Betrachters, bedienen dessen Wunsch nach Fiktion, sind Ausdruck von (unseren) Alpträumen und märchenhaften, rätselhaften Visionen. Sherman reflektiert das Frauenbild einer männlich dominierten Gesellschaft, stellt Schönheit als gemachte Schönheit bloß. Eine Serie bezieht sich auf Klassiker der Kunstgeschichte, auf alte Meister wie Botticelli und Caravaggio. Die letzte Serie befasst sich mit dem, was das Wesentliche hinter der Clownsmaske ist, und dokumentiert den Einzug des Digitalen (im Hintergrund).

      

Alle Bilder © Cindy Sherman; oben Untitled #133 (1984), unten von links Untitled #66 (1980) sowie #424 (2004).

One Comment

  1. Jörg Friedrich Mittwoch, 20. Juni 2007

    Hallo Jürgen,

    angeregt durch deinen Artikel fiel mir in der heutigen FAZ ein Beitrag über die Fotografin auf, den ich sonst vielleicht ignoriert hätte. Danke.

    Jörg

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