Neupositionierung der Informatik

Timo Glaser (TU Berlin, Informatik und Gesellschaft) hat in Informatik Spektrum einen Text zur notwendigen Neupositionierung der Informatik zur Diskussion gestellt.

Seine Argumentation zur „Positionierung und Darstellung der Informatik als Struktur- und Koordinationswissenschaft und der Informatiker als interdisziplinäre Systementwickler und -analytiker“ unterstütze ich voll und ganz. Dies ist nicht nur für die wahrzunehmende gesellschafts- und technologiekritische Rolle notwendig, auch würde sich die Attraktivität des Berufsbildes für bisherige „Verweigerer“ verbessern. Der „Computer-Freak“ bestimmt leider immer noch das öffentliche Bild der Informatik-Studierenden, hält vor allem weibliche Studieninteressierte davon ab, Informatik zu studieren.

Ich glaube allerdings nicht, dass ein verändertes Selbstbild, wenn es sich denn durchsetzen würde, unmittelbar oder in notwendig kurzer Zeit eine differenziertere Wahrnehmung in der Gesellschaft nach sich ziehen würde. Da gibt es keinen Automatismus, und Klischees halten sich länger, als man wahrhaben will.

Glaser zitiert Lessig und die vier Regulatoren des gesellschaftlichen Systems. Meine Beobachtung ist, dass Exekutive und Legislative oft genug nicht einmal das Recht (als staatliches Regulierungsinstrument) ernst genug nehmen, sondern regelmäßig über die Grenzen der verfassten Bürgerrechte hinausgehen (Vorratsdatenspeicherung etc.). In einem zweiten Schritt sollte deshalb vielleicht darüber nachgedacht werden, wie Anhörung und Mitwirkung der Informatiker bei den gesellschaftlich relevanten Entscheidungen erzwungen werden kann.

Comments are Disabled

%d Bloggern gefällt das: