Organisation? Management?

Ich lese gerade teils wunderbare da nachdenklich machende und dabei auch amüsierende Essays des Soziologen und Wirtschaftswissenschaftlers Frank. E. P. Dievernich: »Achtung Organisation! Vorsicht Management!« Der erste Essay, „Der Kunde ist die Katastrophe“, bescheibt das Entgleiten des Kunden, wie dieser sich von Unternehmen löst, eigene Entscheidungen trifft, zum Verdammnis wird.

Der zweite Essay, „Re-Activate the Management – Zur Verantwortung des Beobachters“ hat mich dann völlig in den Bann gezogen. Dievernich beruft sich hier auf Heinz von Foerster, auf dessen Figur des Beobachters. Alles was wir beobachten, sind Beobachtungen eines Beobachters, nicht die (objektive) Realität! Wir konstruieren uns die Wirklichkeit, spielen unsere Beobachtungen in das System (Unternehmen, Organisation) ein – und sollten dafür, für die geschaffene Wirklichkeit die Verantwortung übernehmen. Und da, wo im System qua rationaler Logik sich die Entscheidungen nicht selbst treffen können, da sind wir gefragt. Nach von Foerster können wir eh nur die unentscheidbaren Fragen entscheiden. – Die Wiederbegegnung (1, 2, 3) mit von Foerster’schen konstruktivistischen, kyber(n)et(h)ischen Ideen ist für mich ein Genuss.

Weitere Essays, deren Titel neugierig machen, sind u.a. „Unternehmen suchen den Superstar“, „Kommunikationsangst in Unternehmen“, „Leidenschaftslose Organisationen“, „Emotionen als Grundlage von Organisationen“ und „Entakademisierende Organisationen“ – zu letzteren gehören übrigens auch diejenigen Organisationen, die sich genuin der Bildung und Wissenschaft verschrieben haben, und sich zunehmend dem ökonomischen Paradigma der kurzfristigen, auf Effizienz bedachten Anschlussfähigkeit unterwerfen. Das Schlagwort von der „Lernende Organisation“ ist so etwas wie ein unfreiwilliger Witz, denn „Lernende Organisationen“ scheitern regelmäßig an der Haltung des einzelnen „Insassen“ der Organisation, die da lautet: „Das haben wir noch nie so gemacht, das war schon immer so und da kann ja jeder kommen.“

In den insgesamt 14 Essays auf 157 Seiten stecken viele interessante Beobachtungen (sic!), Anregungen, Lesevergnügen.

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