Schlossplatz II

Da ja nun wegen ewigen Diskussionen und daraus resultierender Verschleppung aus dem berliner Central Park nichts geworden ist, mit Stimmanns Pensionierung aber nun plötzlich alles möglich scheint, schauen wir wieder gespannt auf den Schlossplatz. Leider nur als Zwischenlösung zeichnet sich dort inmitten lauter sandsteiner Kästen eine wolkige Kunsthalle des Architekturbüros Graft ab.

Die Zeit hat über die Sensation geschrieben: Immer locker bleiben. Die F.A.S. heute auch, aber da gibt’s leider nichts zu verlinken. Trotzdem ist der Text von Niklas Maak ein schöner und ein lesenswerter. Deshalb ein paar kurze Zitate aus „Das Anstattschloss“:

Der Kulturstaatssekretär André Schmitz hat grünes Licht für eine privat finanzierte temporäre Kunsthalle auf dem Berliner Schlossplatz gegeben – für ein Ding, das, gemessen an der sonst üblichen Architektur in Berlins Mitte, so ungewöhnlich aussieht, als hätten es denkende Astralnebel aus dem All direkt auf den Schlossplatz geschleudert. Und wie revolutionär es ist, dass dieses Projekt jetzt tatsächlich gebaut werden soll – das versteht man nur, wenn man weiß, wie erbittert die Berliner Politik bisher jede Form von diesem Ort fernzuhalten versuchte, die aussah, als könnte sie nach 1820 entstanden sein.
[…]
Berlin nach 1990 wird vielleicht einmal die Psychoanalytiker beschäftigen, denn selten war Verdrängung so sichtbar wie im neuen Stadtbild: das Monströse, Offene, Undefinierte, Uneinheitliche, Zerfetzte, Kratzige, Abgerockte, Zusammengebrochene, die Freiräume, die die paradoxe Schönheit und die Energie des neuen Berlin ausmachten: All das wurde wegzementiert, zugebaut mit agoraphobischen Kästchen. […] Gegen die Logik des Entweder-Oder, die nur ein einziges, von historischen Schadstoffen bereinigtes Bild von Stadt zulässt, wird jetzt das Sowohl-als-auch gesetzt, das An- und Um- und Überbauen, eine Architektur, die eher das Zelt als den Granitblock und […] die Kistenbauer von Mitte zum Vorbild hat. Eine solche Architektur kann der Stadt nach der ästhetischen Steinzeit nur gut tun.

Dies ist ein lustvolles Update zu Schlossplatz. Und: Ja, ich schreibe „berliner“ absichtlich immer klein.

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