Studiengebühren

Da, wo ich seit kurzem bin, gibt es ja (noch dem geltendem Landesrecht entsprechend) Studiengebühren: 500 Euro pro Semester werden fällig. Die Einnahmen werden zur Verbesserung der Lehre verwendet, wofür konkret, das wird mit den studentischen Fachschaften in den Fachbereichen gerade zum zweiten Male ausgehandelt und umgesetzt.

Im öffentlichen Raum und auf dem Campus nimmt man seitens der Studierenden ausschließlich solche Standpunkte wahr, die sich gegen Studiengebühren wenden. (Ein radikal-populistisches nicht unterzeichnetes Flugblatt fordert die Abschaffung und Rückzahlung jeder Art von Studiengebühren und darüber hinaus die Abschaffung jeglicher die Individualität einschränkender Reglementierungen des Studiums; aber das führt jetzt und hier zu weit.)

Doch die wirkliche Lage hinsichtlich des Meinungsbildes der Studierenden in Deutschland ist vielfältig bis paradox, wie die Untersuchung „Kredite zur Studienfinanzierung“ (HISBUS-Kurzinformation Nr. 19) aufzeigt.

Etwa ein Drittel der Studierenden lehnt eine Finanzierung ihres Studiums über Kredite rundweg ab. Gleichzeitig fühlen sich 80% der Studierenden in einer finanziellen Situation, die sie als okay, sprich gut aber nicht entspannt, empfinden. Über die Hälfte der Studierenden findet, dass sie selbst für die Finanzierung des Studiums verantwortlich sind. Aber gleichzeitig sind fast zwei Drittel der Ansicht, dass Bildung eine öffentliche Aufgabe sei. Über zwei Drittel der Studierenden haben noch nicht darüber nachgedacht, ihr Studium per Studienkredit zu finanzieren, nur 6 % haben einen solchen aufgenommen. „Lieber“ jobben zwei Drittel der Studierenden neben dem Studium und verpulvern „nebenbei“ unnötig Studienzeit (womit sich weiter Studiengebühren aufsummieren), obwohl sie via Studienkredit die Chance auf eine relativ günstige Finanzierung hätten. Dabei wird die berufliche resp. wirtschaftliche Perspektive optimistisch gesehen: nur 9 bis 14 Prozent der Studierenden hat größere Bedenken, den Kredit nicht zurückzahlen zu können.

[UPDATE:] siehe auch Rolle rückwärts (Die ZEIT)

[noch ein UPDATE:] siehe auch Unis lassen Gebühren ungenutzt (DerWesten: WAZ-Portal)

4 Comments

  1. Tilly Dienstag, 16. Dezember 2008

    Ich selbst, gerade frisch gebackene Absolventin, bin angehörige der bildungsfernen Schicht und habe mich für mein Studium hoch verschuldet. Weil in den letzten beiden Semestern für’s Arbeiten keine Zeit mehr war, wurde neben BAFöG auch der Bildungskredit der KfW nötig. Studiengebühren konnte ich in Hessen durch ein LTH-Darlehen finanzieren, insgesamt 1500 Euro. Und heute muss ich das hier lesen: http://www.derwesten.de/nachrichten/nachrichten/campus-und-karriere/2008/12/12/news-97381147/detail.html Das ist wirklich erbärmlich. Man verschuldet sich hoch für Studiengebühren und dann weiß keiner wohin damit.

    • jl Dienstag, 16. Dezember 2008

      In unserem Fachbereich gab und gibt es keine Schwierigkeiten, das Geld sinnvoll auszugeben: mehr Tutorenverträge, mehr Übungen, diverse Softwarelizenzen für die privaten PCs der Studierenden usw.. Alles wird beraten und entschieden durch eine wie üblich paritätisch besetzte Kommission.

  2. nina Dienstag, 16. Dezember 2008

    ach,ich weiß ja nicht…also ich komm wohl auch mehr aus so ner art arbeiterfamilie. jedenfalls aus keiner, die mal eben 1300 euro im jahr plus normale lebensunterhaltskosten für mich zahlen könnte. und mich treiben die studiengebühren schon immer sehr nah an den ruin. studienkredite sind da halt so ne sache. im gegensatz zu den umfragewerten mach ich mir nämlich durchaus gedanken um die situation nach dem studium. ich studier halt auch brotlose fächer, und fänd den gedanken mit hohen schulden ins ungewisse arbeitsleben zu starten eher unangenehm.
    dazu kommt – wovon ich auf grund der kleinen hochschule, an der ich mich befinde, eher weniger mitkriege – dass sich die situation halt auch nicht wirklich verbessert, aus sicht der studenten. es fehlen immer noch räume und lehrkräfte, von tutorien ganz zu schweigen.
    über die fehlende individualität möchte ich gar nicht erst anfangen zu diskutieren 😉
    also, wenn man der studie glauben schenkt, dann erweckt es natürlich schon den eindruck einer “hauptsache dagegen”-mentalität. aber was ich so aus der studentischen realität mitbekomme zeigt halt schon ernsthafte probleme und bedenken.

  3. Inki Dienstag, 29. Dezember 2009

    500 Euro? Meine Cousine hat das vom Studium zurückgehalten.

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