Studiensituation und studentische Orientierungen

Seit 25 Jahren gibt es die vom BMBF-geförderte Langzeitstudie „Studiensituation und studentische Orientierungen“ an Universitäten und Fachhochschulen. Im Wintersemester 2006/07 wurde der 10. Studierendensurvey (PDF) durchgeführt. (Grundgesamtheit und Sample der Untersuchung sehen sehr solide aus, die Daten stammen von 1,6 Mio 8.350 Studierenden. Einzelheiten dazu im Anhang.) Aus aktuellem Anlass und auf die Schnelle sind für mich zwei Kapitel interessant.

Erstens die Ergebnisse zum Punkt „Fachwahl: ideelle und utilitaristische Motive“ (2.2, Seite 7). Hier wird eine gewisse Aufwertung aller Motive konstatiert, ebenso deutliche Unterschiede nach Geschlecht und Hochschulart.

Studentinnen […] ist die eigene Begabung tendenziell wichtiger für die Fachwahl; etwas weniger führen sie die utilitaristischen Motive an: sei es die Arbeitsplatzsicherheit (33% Studentinnen zu 41% Studenten) oder das spätere Einkommen (21% zu 27%); auch einen Führungsanspruch äußern sie seltener (13% zu 21%). Gewisse Unterschiede bei den Fachwahlmotiven bestehen ebenfalls nach der Hochschulart: An den Universitäten sind die ideellen Motive etwas verbreiteter als an den Fachhochschulen: z. B. das Fachinteresse (72% gegenüber 67%). Dagegen werden an den Fachhochschulen die materiellen Motive mehr betont, so das spätere Einkommen (30% gegenüber 23%). Die pragmatische Ausrichtung, der soziale Ehrgeiz und das ökonomische Interesse sind bei Studierenden an Fachhochschulen häufiger anzutreffen als an Universitäten. Dort überwiegt mehr eine hohe ideelle Dominanz und die utilitaristische Ausrichtung bleibt gering. Diese Haltung orientiert sich weniger an äußeren Gratifikationen, sondern richtet sich mehr an „inneren“ Überzeugungen aus.

In der Fächergruppe Geistes- und Sozialwissenschaften herrscht der Typus des „fachlichen Idealisten“ vor. Der am Nutzen orientierte, „utilitaristisch-ökonomische“ Typ findet sich unabhängig vom Hochschultyp in den Wirtschaftswissenschaften, während der „pragmatisch-professionelle“ Typ eher bei den Medizinern, Juristen und Ingenieuren zu finden ist.

Zweitens muss ich die Aussagen zum Thema „Bachelor: Image und Attraktivität“ (Kapitel 9.3, Seite 43) erwähnen. Seit 2001 haben die negativen Erwartungen der Studierenden (Selbstbild) teils dramatisch zu- und die positiven Erwartungen ebenso dramatisch abgenommen. Je nach Fachrichtungen fallen die Urteile zum Bachelor anders aus, teilweise korrelieren die Erwartungen mit den genannten Typen bei der Fachwahl: die Wirtschaftswissenschaftler sind zufrieden, die Geistes- und Sozialwissenschaftler dagegen ganz und gar nicht.

Am ungünstigsten urteilen die Studierenden der Ingenieurwissenschaften an den Universitäten. […] In den Ingenieurwissenschaften an den Fachhochschulen sind die Vorbehalte gegen den Bachelor längst nicht so verbreitet.

(via idw)

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