Studieren: Aller Anfang ist schwer

Derzeit überschlagen sich die Meldungen ob des Bewerbungs- und Zulassungs-Chaos an deutschen Hochschulen: Ungewohnt reißerisch in einer Randglosse die Zeit

Junge Leute wollen nach dem Abitur studieren, aber man lässt sie nicht. Eine bittere Wahrheit für Deutschland

und mit einem Schlaglicht auf die Prozesse (und nicht die Software!) heise-online über vorgeblich widerrufene Sofortzulassungen im Online-Verfahren (und die Streitlust eines Anwaltbüros).

Ich bin etwas sehr verwundert über die Erwartungshaltung, die hinter dem offensichtlich vorhandenen Begehr der Bewerber steht, sein oder ihr Traum-Fach an der Wunsch-Hochschule (und nur dort) zu studieren. Ein paar Unis hierzulande, vermutlich die Massen- u/o Elite-Unis werden überrannt, während anderswo zukunftsfähige Studienplätze mangels Interesse oder Wissen darum nicht vergeben werden können.

Dabei gibt es marktferne (bezogen auf das Angebot an Studien- und aller Wahrscheinlichkeit Arbeitsplätzen) Wünsche. An unserer Hochschule, beispielsweise, ist der Renner „Soziale Arbeit“ mit einer Überzeichnung von 1300%! Und obwohl medial deutlich die Klage der Wirtschaft wegen der fehlenden Ingenieure & Techniker – jetzt und erst recht in Zukunft – zu vernehmen ist, reizt eine sichere Zukunft viel zu wenige Studieninteressierte.

Wie ein Rufen im finstren Walde kommt mir da das an sich sehr sinnvolle Vorhaben, Strategien für einen weiblichen Techniknachwuchs zu entwickeln, vor. Das Bielefelder Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit legt dazu aktuell die Workshop-Dokumentation (1, 2) vor.


(via idw; sehr zu empfehlen: Optotechnik und Bildverarbeitung bzw. Bioinformatik)

5 Comments

  1. nina Dienstag, 12. August 2008

    hmm, also ich hab ja oft das gefühl, das man das nicht sagen darf, aber: ich als mädchen würde in einem technischen studiengang hoffnungslos untergehen oder mich zu tode langweilen. vermutlich beides. die tatsache, das manche studienorte so hoffnungslos überlaufen sind und nur sehr wenige studenten sich nach anderen unis umgucken ist mir auch ein rätsel, aber zu erwarten, dass soziale arbeit-anwärter vielleicht doch lieber ingenieur werden sollten (und ich weiß, dass es so nicht wirklich gemeint war) erscheint mir doch..illusorisch oder so..

    • jl Mittwoch, 13. August 2008

      Ich wundere mich über zwei Tendenzen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben:
      1. Dass sich massenhaft Studierwillige für eine Ausbildungsrichtung interessieren, ohne dass danach auch nur ansatzweise eine berufliche Perspektive für die Meisten greifbar sein wird. – Innenarchitektur ist übrigens auch so ein Renner, oder Irgend-Etwas-mit-Medien. (Und danach dann Dauerpraktikant.) Hinsichtlich Soziale Arbeit ist das zwiespältig, weil diese Arbeit in der Gesellschaft auch in Anbetracht zunehmender Verwerfungen gebraucht wird, sie aber unzureichend finanziert wird.
      2. Dass man noch nichts gegen das schlechte Image von Technik-Berufsbildern bzw. des Ingenieurstudiums unternimmt. – Zum Beispiel wird das Informatiker-Bild von geekigen Hackern und Programmierern geprägt, die im Berufsleben eine Randerscheinung sein werden.
      Das ist für Mädels per se nicht attraktiv, darum müssen sie mutig sein, wenn sie’s trotzdem angehen. 😉 Es gibt mir zu denken, dass an reinen Mädels-Gymnasien diese weitaus bessere Ergebnisse in Naturwissenschaften erreichen als in den üblichen gemischten Schulen. Warum ist das so, und was kann man daraus ableiten?

      • nina Mittwoch, 13. August 2008

        1. naja, aber das is ja auch irgendwie zwiespältig. es gibt ja einmal die studiengänge, die ein klares ziel haben, so wie lehramt, oder medizin oder was weiß ich. das führt dazu, dass aus meinem jahrgang ca 70% ein lehramtsstudium anfangen, weil sie nix anderes wussten. dann gibt es die fraktion, die sich mit bwl auf der sicheren seite wähnt. und dann sind da die, zu denen ich übrigens auch gehöre, denen man immer sagt, dass man lieber nach interessen studieren sollte, und nicht nach arbeitsmarktchancen. weil die sich eh immer ändern und man sonst nur unglücklich wird später. was ich auch schon irgendwie glaube. allerdings leide ich auch unter der zukunftsangst, die unter studenten dieser fächer rumgeht.
        2. naja, zuerst kann man daraus mal ableiten, dass mädchen naturwissenschaftlich wohl anders gefördert werden sollten als jungen. das sehe ich ja auch so, und ich kenne auch durchaus informatik-studentinnen. es geht also, klar. aber ich zweifel immer noch daran, dass man den großteil der frauenwelt davon begeistern kann. aber ich lass mich natürlich gerne vom gegenteil überzeugen, solange nur ich selber keine physikerin werden soll 😉

        • Antje Mittwoch, 13. August 2008

          Verblüfft hat mich vor einiger Zeit ein Gespräch mit einer portugiesischen Professorin. Dort wird es langsam zum Problem, dass in Maschinenbau, Physik etc. sehr viel mehr Frauen studieren als Männer und Frauen insgesamt einen höheren Bildungsabschluss erreichen als Männer. Das ist das andere Extrem, zeigt mir aber, dass es da offenbar keine “naturgegebenen” geschlechtsspezifischen Präferenzen gibt. Mir macht die Informatik noch immer Spass, gerade weil sie viel mit Kreativität und Kommunikation zu tun hat.

        • jl Mittwoch, 13. August 2008

          Das mit den Interessen als Leitmotiv stimmt auf jeden Fall, keine Frage! (1.) Masochismus ist (dauerhaft) kein guter Antrieb.
          Es sieht so aus, als müsse man später im Berufsleben eh mehrmals umsatteln, dazulernen. Und, wenn man so ein “weiches” Fach studiert, ist’s vielleicht eine gute Idee daran zu denken, später irgendwo von der Seite einzusteigen. (Für immer mehr Hochschulabschlüsse gibt’s keine kompatible Stellenbeschreibungen am Markt.)
          2. Wenn mehr Frauen in Naturwissenschaft & Technik wären und deren Bild in der Öffentlichkeit mit prägen würden, wäre dieses sicher attraktiver. (Henne-Ei-Problem) – Bei uns hier ist zumindest die Physik eine reine Männer-Domäne, bei den Profs (100%) und den Studierenden (>90%). In Mathe sieht’s bei den Studierenden ganz anders aus: > 50% Frauen!

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