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Dschungel der Angst

Der Film »Tropical Malady« fiel zunächst durch mein Aufmerksamkeitsraster, das vordergründige Sujet – die homosexuelle Beziehung zweier Thailänder – interessierte mich nicht. Doch dann hörte und las ich: das ist der ungewöhnlichste, mysteriöseste Film, den es zur Zeit zu bestaunen gibt.

Es stimmt. Für den zweiten Teil.

Katja Nicodemus in der Zeit:

Man kann das Interpretieren aber auch einfach sein lassen. Und mit Apichatpong Weerasethakuls hypnotischen Bildern in den Wald gehen. Da ist zum Beispiel die Aufnahme eines riesigen Baumes, der in der Nacht minutenlang durch das Licht der Glühwürmchen zu pulsieren scheint. Als sei der Baum ein fremdartiges Lebewesen, eine riesige phosphoreszierende Qualle, die sich ins falsche Element verirrt hat. Oder die Szene, in der sich Jäger und Tiger eine Ewigkeit lang ins Auge blicken. In der Schwärze der Nacht hört man das langsam lauter werdende Zähneklappern des Mannes. Und die Zeit scheint wie eingesogen von der ewig flirrenden Urwaldwand.

Tropical Malady geht über unser klassisches Bilder- und Geschichtenverständnis hinaus. Womöglich gibt es auch gar nicht so viel zu verstehen in einem Film, der auf einer anderen, physischen Art der Wahrnehmung beruht. Einer Wahrnehmung, in der die Unterschiede zwischen Mensch und Wald, Geist und Tier unaufhaltsam vom Grillenzirpen eingeschmolzen werden. Wer sich Weerasethakuls Kino überlässt, den wird sein unheimlicher Seelendschungel, in dem jedes Käferbeinchen an unsere Kreatürlichkeit erinnert, so schnell nicht mehr loslassen.