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R.I.P. filmz.de

Bildschirmfoto 2013-01-02 um 16.40.30

Hoffentlich bleibt das Archiv am Leben, auch von hier wurden viele Links gesetzt.

Erde, Mond, 1966

Ein Lehrstück für die Notwendigkeit guter Langzeitarchivierung ist das Drama um die 1966 von den Lunar-Orbiter-Raumsonden aufgenommenen Bilder vom Mond. Die Filme wurden damals automatisch an Bord entwickelt, die Negative in Streifen gescannt und dann zur Erde gefunkt. Dort wurden diese dann ausbelichtet, zusammengefügt und noch einmal abfotografiert. Danach wurden die Aufnahmen immerhin auf Magnetbändern gespeichert. – golem.de berichtet über die wechselvolle Geschichte der Digitalisierung dieser Bänder.

Das Lunar Orbiter Image Recovery Project (LOIRP) der NASA macht diese Bilder nun öffentlich zugänglich. Oben sieht man

The world’s first view of Earth as released to the public taken by a spacecraft from the vicinity of the Moon. The photo was transmitted to Earth by the United States Lunar Orbiter I and received at the NASA tracking station at Robledo De Chavela near Madrid, Spain. This crescent of the Earth was photographed August 23, 1966 at 16:35 GMT when the spacecraft was on its 16th orbit and just about to pass behind the Moon.


Desideratum général

Paul Otlet, Mundaneum

Bei Telepolis gibt’s einen schönen historischen Artikel über Paul Otlet. Otlet wird als erster Theoretiker der Dokumentation und visionärer Praktiker der sich formierenden Wissensgesellschaft beschrieben, der früh die Wichtigkeit von Datenbanken erkannte. Nicht nur wegen der schlechten Handhabbarkeit von über 12 Millionen handschriftlich erstellten Karteikarten.

Visonär finde ich sein vom Telepolis-Autor übersetztes „Pflichtenheft“ von 1934:

Desideratum général.
Heutzutage präsentieren sich alle Maschinen getrennt (…) Wir sollten einen Komplex miteinander verbundener Maschinen haben, die simultan oder nacheinander folgende Aufgaben ausführen:
1. Ton in Text transformieren;
2. diesen Text sooft kopieren wie man braucht;
3. Dokumente in einer Art aufbereiten, die jedem Informationsteil (donnée) seine eigene Identität zuordnet und Verbindungen mit allen anderen in der Sammlung hat, sodass er immer wenn nötig aufgerufen werden kann;
4. zu jedem Informationsteil einen Klassifikationsindex anbringen; das Dokument in Verbindung mit diesen Indizes perforieren;
5. automatische Klassifizierung und Aufstellung dieser Dokumente;
6. automatisches Auffinden der Dokumente zwecks Einsicht oder Vorführung, sie es unter Augenschein oder durch eine Maschine, um zusätzliche Beschriftung anzubringen;
7. Mechanische Handhabung sämtlicher aufgezeichneter Informationen, um neue Sachkombinationen zu erhalten, neue Beziehungen von Ideen, neue Operationen mit Hilfe von Ziffern.
Eine Maschine, welche diese sieben Wünsche realisieren könnte wäre ein wahrhaftes mechanisches und kollektives Gehirn.

(Foto: Archiv Mundaneum, via Telepolis)

Sammel-Wahnsinn?!

Entsprechend dem Gesetz über die Deutsche Nationalbibliothek (DNBG) vom 29. Juni dieses Jahres soll die Deutsche Nationalbibliothek, neben gedruckten sowie auf Ton- und Datenträgern gespeicherten „Medienwerken“ auch solche, die in „unkörperlicher Form“ vorliegen, der Nachwelt zu erhalten. Damit sind alle Darstellungen in öffentlichen Netzen (Text, Bild, Ton) gemeint.

c’t zum Stand der Dinge, Auszug aus dem Gesetz und Interview mit der Direktorin der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) in Frankfurt, Ute Schwens.

(siehe inzwischen auch dies und das samt Kommentare beim Isotopp)