Posts Tagged: Bildungsstreik

Auf’m Campus #18 (Bildungsstreik 2009)

Kommende Woche ist bundesweit Bildungsstreik 2009. In verschiedenen Städten werden Studierende gemeinsam mit Schülern, Auszubildenden und Lehrkräften gegen die Missstände im Bildungswesen streiken oder mit anderen Mitteln protestieren. Auch der AStA der Hochschule Darmstadt macht mit, ‚mal sehen, wie viele Studenten nicht nur frei haben wollen. Gelbe Woche ist angesagt, die Flyer, Post-Its, Poster, Losungen usw. – alles Gelb.

Eben habe ich »Blutige Erdbeeren« (»The Strawberry Statement«) gesehen. Der Film ist fast 40 Jahre alt, spielt in San Francisco, zeichnet aber die 1968er Studentenrevolte an der Columbia University von New York nach. Akteure, Parolen, Muster – hat sich grundlegend etwas geändert? An der Oberfläche war’s damals scheinbar viel politischer. Vietnam und so. Vergleichbares interessiert unsere Studenten heute nicht, jedenfalls kanalisiert es sich nicht so. Heutige Studierende bzw. die Aktivisten unter ihnen, so der Aufruf, streiken für freie Bildung (und meinen zumeist: frei wie Freibier), weniger Leistungsdruck, weniger Prüfungen, weniger Verschulung des Studiums, keinen direkten Bezug zur Wirtschaft zum Leben da draußen, keine Gebühren usw.. Kaum hört man den Ruf nach angemessener Finanzierung der Schulen, Hochschulen, aller Bildungseinrichtungen.

Ich hoffe nicht auf eine zum Film vergleichbare Eskalation des Bildungsstreiks, auch wenn die Bildungspolitiker etwas Dampf unter’m Hintern vertragen können.

Den Film gibt’s auf DVD. Auch er bildet.

Studiengebühren

Da, wo ich seit kurzem bin, gibt es ja (noch dem geltendem Landesrecht entsprechend) Studiengebühren: 500 Euro pro Semester werden fällig. Die Einnahmen werden zur Verbesserung der Lehre verwendet, wofür konkret, das wird mit den studentischen Fachschaften in den Fachbereichen gerade zum zweiten Male ausgehandelt und umgesetzt.

Im öffentlichen Raum und auf dem Campus nimmt man seitens der Studierenden ausschließlich solche Standpunkte wahr, die sich gegen Studiengebühren wenden. (Ein radikal-populistisches nicht unterzeichnetes Flugblatt fordert die Abschaffung und Rückzahlung jeder Art von Studiengebühren und darüber hinaus die Abschaffung jeglicher die Individualität einschränkender Reglementierungen des Studiums; aber das führt jetzt und hier zu weit.)

Doch die wirkliche Lage hinsichtlich des Meinungsbildes der Studierenden in Deutschland ist vielfältig bis paradox, wie die Untersuchung „Kredite zur Studienfinanzierung“ (HISBUS-Kurzinformation Nr. 19) aufzeigt.

Etwa ein Drittel der Studierenden lehnt eine Finanzierung ihres Studiums über Kredite rundweg ab. Gleichzeitig fühlen sich 80% der Studierenden in einer finanziellen Situation, die sie als okay, sprich gut aber nicht entspannt, empfinden. Über die Hälfte der Studierenden findet, dass sie selbst für die Finanzierung des Studiums verantwortlich sind. Aber gleichzeitig sind fast zwei Drittel der Ansicht, dass Bildung eine öffentliche Aufgabe sei. Über zwei Drittel der Studierenden haben noch nicht darüber nachgedacht, ihr Studium per Studienkredit zu finanzieren, nur 6 % haben einen solchen aufgenommen. „Lieber“ jobben zwei Drittel der Studierenden neben dem Studium und verpulvern „nebenbei“ unnötig Studienzeit (womit sich weiter Studiengebühren aufsummieren), obwohl sie via Studienkredit die Chance auf eine relativ günstige Finanzierung hätten. Dabei wird die berufliche resp. wirtschaftliche Perspektive optimistisch gesehen: nur 9 bis 14 Prozent der Studierenden hat größere Bedenken, den Kredit nicht zurückzahlen zu können.

[UPDATE:] siehe auch Rolle rückwärts (Die ZEIT)

[noch ein UPDATE:] siehe auch Unis lassen Gebühren ungenutzt (DerWesten: WAZ-Portal)