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Summer Madness

„Es gibt keine Idyllen in dieser Welt. Nirgendwo. Ein Idylle ist ein Gefühl von Menschen, das ist alles Täuschung.“
Peter Handke, im Interview


Wenn das Gelbe und das Braune sich unter das Grüne mischt, langsam unübersehbar wird, dann beginnt der Sommer zu sterben.

Von München aus kann man komfortabel und schnell in verschiedene Richtungen in die nahen Berge fahren. Das macht man, um die auch »Münchner Hausberge« genannten Gipfel zu besteigen, wobei man von landestypischem Personal am Wegesrand angefeuert wird.

    

Auf den Gipfeln haben Gipfelkreuzerrichtungsvereine, z.B. der im Trachtenverein Miesbach, ihre durchweg hässlichen Kreuze aufgestellt. [*] Diese stehen meist auf einem Sockel, der mit vaterländischen Gedenktafeln bepflastert und ein Hohelied der Pflichterfüllung ist.

Manchem, der ziemlich atemlos oben ankommt, mag dieser Anblick Trost und Ansporn oder auch Belohnung oder von jedem etwas sein. Die Aussicht – meist ein bis drei Seen in den Tälern und andere, höhere Bergwände vis-à-vis – kann einem schon ‚mal fast den übrig gebliebenen Atem nehmen.

Der Sommer dort oben wehrt sich, es blüht, summt, wimmelt und krabbelt, wohin man auch schaut. Wer wie ich das Frühjahr dort nicht erlebt hat, kann versucht sein, dies fälschlich für das Optimum zu halten.

Cy Twombly: 'Summer Madness', 1990; Foto: Sammlung Udo und Anette Brandhorst

Im Museum Brandhorst in München dann Cy Twomblys »Summer Madness«, eine unverhoffte Entdeckung und Belohnung für mich.

[*] Jedenfalls habe ich bei den bisherigen drei (1, 2) Exkursionen noch kein ansehnliches gesehen.