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Sonntagslektüren #2

Das Feuilleton der FAS macht mit einem großen, pixeligen Foto von Ai Weiwei auf. Drunter ein Text von Niklas Maak zum von ihm so bezeichneten Skandal der deutschen Ausstellung »Kunst der Aufklärung« in Beijing: »Ausgestreckte Hand, blutig«. Ich will die zynische Haltung des Dresdner Museumsdirektor Roth zur Verhaftung Ai Weiweis gewiss nicht verteidigen. Aber der ethische Rigorismus des Artikels und einer ganzen Reihe von „Kulturbloggern“ nervt, blendet dieser doch die Sicht ganz normaler chinesischer Ausstellungsbesucher aus. – Persönlich fand ich z.B. die Ausstellungen der Bundesrepublik Deutschland in der DDR, »Stadtpark Parkstadt« 1982 oder »Joseph Beuys: Frühe Arbeiten aus der Sammlung van der Grinten« (70.000 Besucher!, Zeichnungen, Aquarelle, Ölstudien, Collagen) 1988 sowie das Bob-Dylan-Konzert 1987, oder auch die Ausstellungen des französischen Kulturzentrums in Berlin Unter den Linden eher hilfreich. Gerade weil sie nichts mit der alltäglichen Realität zu tun hatten, wirkten diese…

Und dann war da noch, im Wirtschaftsteil, ein toller Text von Ralph Bollmann zur historischen und gegenwärtigen Angst der deutschen Liberalen (aller Parteien) vor dem Markt und dem freien Wettbewerb: »Staatsfreunde«.

Nachtrag: Hans Ulrich Gumbrecht über die Universitätskarriere des Romanisten Hans Robert Jauss, seines Professors in Konstanz: »Mein Lehrer, der Mann von der SS«. (Die Zeit)

Kulturrevolution: Skulpturen der Mao-Zeit

Beeindruckend seltsam sind die 100 Skulpturen des Agit-Prop-Ensembles »Der Hof für die Pachteinnahme«, ein 1965 entstandenes Musterkunstwerk im fernen China. Hier sieht man einen Ausschnitt, dargestellt ist der Großgrundbesitzer Liu Wencai. Das Figurenensemble der Ausstellung, die derzeit noch in der Frankfurter Schirn zu sehen ist, ist eine transportable Kopie aus verkupfertem Fiberglas.

Kann es sein, dass bei der Rezeption solcher historischen Werke mit der Zeit die gebotene kritische Distanz verlorengeht?

China und das Klima

Eine kurze Notiz zu einem Buch, das ich selbst nicht gelesen habe – nur die ausführliche Rezension von Reinhard Löser im SdW 4/09, S.105-106. Xuewu Gu und Maximilian Mayer, ein Regionalwissenschaftler und ein Politökonom von der Ruhr-Uni Bochum, haben „Chinas Energiehunger: Mythos oder Realität?“ geschrieben. Abgesehen davon, dass der Rezensent das Buch als „Lese-, Sach- und Abenteuerbuch“ bezeichnet, und es „fabelhaft zu lesen“ findet, soll es seiner Meinung nach wegen der „belastbaren internationalen Quellen und unsereinem unzugänglichen chinesischen Originalquellen“ „keinen Raum für Zweifel an der Datenlage“ lassen. Was kommt ‚raus, auch wider „amerikanischem Verfolgungswahn“?:

Der Westen und der Osten

Rudolf Maresch erklärt auf Telepolis in einem zweiteiligen Artikel
Der Osten wird der „neue Westen“
Der Westen wird zum alten Osten
sehr plausibel und lesenswert, warum in ein paar Dekaden sich die globalen Machtverhältnisse umgekehrt haben werden.

Übrigens: Auf die von ihm angesprochene Schanghai-Connection bin ich 2006 in der NZZ / hier im Blog gestolpert.

Schanghai-Connection

Soweit ich lese, ist die NZZ die einzige Zeitung, die sich in einem Kommentar dem jüngsten Treffen der Schanghai-Connection genannten Staatenverbindung widmet. Der Bericht ist distanziert bis skeptisch: weil die teilnehmenden Länder zum Teil Autokratien, Militärdiktaturen, Theokratien und mehr oder weniger schwache Demokratien – also so ganz und gar anders als „wir“ – sind, sollen China, Russland, Indien, Iran, … geopolitisch bedeutungslos sein?

Wenn sich dies ‚mal nicht, über kurz oder lang, als fahrlässiger Irrtum herausstellt!