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Neuseeland: Die Tour (Nordinsel, Teil 1)

Nach über einem Tag Flugreise und Transitaufenthalten, Bus, Fähre und Fußmarsch ist es von der Tageszeit her 12 Stunden früher, saisonal aber ein halbes Jahr später. Der Sommer hat seinen Höhepunkt gerade überschritten, wir schlagen im spartanischen Budget Backpacker im subtropisch anmutenden, regennassen Busch auf. Wir sind auf Waiheke und beginnen uns an den ohrenbetäubenden, auf- und abschwellenden Zikadenlärm zu gewöhnen.

Waiheke war eine gute Wahl für den Anfang, zur Akklimatisierung: Ausschlafen, kleine Wanderungen, eine Stippvisite im Vineyard inklusive Tasting, ein falscher Feueralarm nachts um halb Drei sowie ein super Essen mit gratis Ocean View – was will man mehr für den Anfang?

Die Küche überhaupt: eine große Überraschung! Eigentlich waren wir auf die tägliche Ration Fastfood à la Fish&Chips eingestellt, konnten uns aber zu unserem Erstaunen fast täglich über leckeres und sehr gut anzusehendes Essen aus fantasiereicher (unbekümmerter) „Fusion-Küche“ erfreuen.

Der günstige Kurs des Euros zum Kiwi-Dollar macht’s möglich. Womit wir bei der globalen Finanzkrise wären, die natürlich auch in Neuseeland zu spüren ist: Gefühlt jede zweite Immobilie steht zum Verkauf, die Makler haben alle Hände voll zu tun. (Das kann nicht nur an der außergewöhnlichen Mobilität der Kiwis liegen.) Und fast jede Straße wird an vielen Stellen aufwändig repariert. (Das sieht nach „Konjunkturpaket“ aus.)

Was macht gerade Neuseeland so attraktiv für deutsche Urlauber und Auswanderer? Neben den geografischen Reizen hat es wohl auch einen mentalen Aspekt: Neuseeland ist das „bessere“ Deutschland. Alles ist geregelt, gar überregelt (siehe die Auswahl der vielfältigen Verbotsschilder), doch alle halten sich freiwillig daran – und sind dabei ganz entspannt. Man ist sehr freundlich (enjoy your day / walk / holiday hört man mehrmals am Tage). Ich habe noch nie so viel saubere Straßen und Plätze gesehen, flächendeckend! Nirgends liegt auch nur ein Fitzel Abfall herum, die Dörfer wetteifern um das schönste ihrer Art (und strahlen dabei eine biedere Langeweile aus). Organic und Biosecurity sind die allgegenwärtigen Schlagworte, „Keep New Zealand clean and green!“ stand symptomatisch dafür auf einem Schild am Strand. Kurz, Neuseeland ist, wie eine (heimliche) Mehrheit hier Deutschland gerne haben möchte.

         


Auffällig ist die allgegenwärtige Sorge der Neuseeländer um ihre native (oder gar endemische) Fauna und Flora. Das fängt mit der Biosecurity-Behörde auf dem Flughafen an („Zeigt her eure Wanderstiefel, ihr Rucksacktouristen! Wollen doch ‚mal sehen, ob der Dreck unter den Sohlen wirklich alt und ungefährlich ist.“), und endet nicht mit den zahlreichen überfahrenen Possums auf den Straßen. (Es sieht nach „Abschussprämie“ aus, gibt es davon doch mehr als Schafe.) Das Alles trägt fast schon paranoide Züge. Dazu steht im krassen Gegensatz, wie meine liebe Reisebegleiterin bemerkte, dass die Kiwi-Wirtschaft international fast ausschließlich mit „Importiertem“ erfolgreich ist: Kiwi-Früchte, Äpfel, Wein, Schafe, Rinder,… (Etwas surreal dann: In der selbsternannten Kiwi-Welthauptstadt Te Puke [Kiwi360] gibt es derzeit nur italienische Früchte zu kaufen; die einheimischen sind noch nicht reif.)

In Stichworten noch ein paar Reisedetails und vielleicht Tipps für Interessierte sowie Fotos (ein beherzter Klick auf die Vorschau-Bildchen zeigt diese etwas größer: