Posts Tagged: Demografie

OECD eXplorer

Der OECD eXplorer ist ein mächtiges Online-Tool, um sich bis zum Abwinken mit regionalen Statistiken zu beglücken. Es gibt viele, viele Möglichkeiten, aus dem Zahlenmaterial die eine oder andere Überraschung heraus zu kitzeln. (Insofern ähnelt’s der Demographic Risk Map.) Nebenbei ist es eine Demonstration, was mit Flash so geht…

(via information aethetics)

Zukunftsaussichten

Wenn ich in etwa 16 Jahren so durch Mainz walken schlurfen und mich auf der einen oder anderen Bank von dieser Anstrengung ausruhen werde, dann werde ich mich gleichzeitig darüber freuen können, in der jüngsten Großstadt Deutschlands zu wohnen!

Zugleich werden die Städte Mainz und München mit einem statistischen „Medianalter“ von jeweils 42,1 Jahren die jüngsten Großstädte Deutschlands sein.

Dies und mehr berichten unzählige Medien (z.B., jetzt auch dort) heute vorab aus einer Bertelsmann-Studie („Wegweiser Kommune“) zur demographischen Entwicklung bis zum Jahr 2025.

Demographic Risk Map

Econsense ist ein Thinktank des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Der Verein reagiert auf die Verunsicherung seiner Klientel hinsichtlich des demographischen Wandels: Was bedeutet dieser Wandel, die Überalterung von uns Humankapital, für die Unternehmen zum Beispiel bei Standortentscheidungen? Welche Regionen haben eine für 2030 prognostizierte „High Opportunity“, welche bedeuten dagegen „High Risk“? Econsense hat – mit maßgeblicher Unterstützung großer Konzerne – das Rostocker „Zentrum für Erforschung des Demografischen Wandels“ beauftragt, eine wissenschaftliche Datenbasis als Diskussionsgrundlage zu erstellen. Ein sichtbares Ergebnis ist eine Demographic Risk Map für die 264 Regionen der EU-Länder.

Das Datenmaterial wurde aus einer Reihe von Quellen aggregiert, nationale Statistikämter und OECD erheben ja fleißig verschiedenerlei Daten. Die Rostocker Demografen sind sich sicher, aus den Daten Aussagen zu den Standortfaktoren „Humankapital“, „Arbeitskräfteangebot“, „Arbeitsproduktivität“ und „Forschung und Entwicklung“ ableiten zu können.

Auf den ersten Blick: Osteuropa hat einen großen Rückstand aufzuholen, das wird so schnell nicht gelingen. In Portugal und in Ostdeutschland geht das Licht aus, vor allem in der Region Dessau-Magdeburg (s.a. hier); Berlin ragt in diesem Umfeld positiv heraus. Überraschend für mich ist das Potenzial der Benelux-Länder und Südfrankreichs!

Depopulation of Eastern Germany

Das Thema des Schrumpfens hatten wir hier ja schon öfters. The Economist schreibt anläßlich der IBA 2010 über die schrumpfenden Städte in Sachsen-Anhalt: Aschersleben, Köthen, Dessau, Staßfurt.

From the death of cities, the hope is that new life will emerge.

(via Pruned)

Spießer

Christian Rickens hat ein Buch geschrieben, dass vielleicht auch auf den to-read-Stapel kommt: „Die neuen Spießer – Von der fatalen Sehnsucht nach einer überholten Gesellschaft“. Das Buch soll eine fundierte Abrechnung mit den exponierten Vertretern der „neuen Bürgerlichkeit“ (z.B. Paul Nolte, Udo Di Fabio, Frank Schirrmacher, Matthias Matussek) sein, und ohne sich sinnlos an Einzelpositionen abzuarbeiten aufzeigen,

wie über die unterschiedlichen Stationen demographische Panikmache, latente Ausländerfeindlichkeit, angeblichen Werteverfall, angeblichen Ökowahn, die vermeintlich naturwüchsige Rolle von Frauen, Familie und Nation etc. ein allgemeines Backlash-Klima in der Politik vorbereitet wurde, dass es heute ermöglicht, reaktionäre Partikularinteressen als anthropologische Notwendigkeiten auszugeben.

(via Wir nennen es Arbeit; s.a. Klassefrauen)

Klasse Frauen

Thea Dorn hat ein Klasse-Buch über Klasse-Frauen geschrieben: »Die neue F-Klasse. Wie die Zukunft von Frauen gemacht wird.«

Nachdem die Feuilleton-Paschas Schirrmacher, Greiner, Mattussek und Konsorten den demografischen Notstand herbeigeschwatz und hysterische Gebärbefehle ausgerufen haben, nachdem die verdienten FeministInnen des vergangenen Jahrhunderts sich im ideologischen Abseits eingerichtet und isoliert haben, nachdem längst überwunden geglaubte Rollen- und Unterdrückungsmuster erneut Zuweisung erfahren und Akzeptanz bekommen… tut dieses Buch gut!

Thea Dorn schreibt über sich, ihre Erfahrungen. Sie interviewt 11 Frauen ihrer Generation über Männer und Frauen, Kinder und Beruf, Politik und Gesellschaft: Uta Glaubitz, Seyran Ates, Vera Bohle, Charlotte Roche, Ines Papert, Sarah Wiener, Katja Kullmann, Maybrit Illner, Silvana Koch-Mehrin, Efstratia Zafeiriou, Nahlah Saimeh. Alle Gespräche sind wirklich sehr spannend! Sie versucht, sie versuchen, eine Agenda für eine lebenswerte Zukunft, für vernünftige Rollenmodelle aufzustellen.

Das tut not, denn irgendwie scheinen verschiedene Ausprägungen von gleichaltrigen Frauen und Männern zur gleichen Zeit aber in verschiedenen Welten zu leben…

So weit so gut & mehr als einverstanden. Aber, liebe Thea Dorn, warum tappen Sie – im Schlusskapitel – in die gleiche Falle, in der ich schon so manche Geistes- & SozialwissenschaftlerInnen zappeln sah? Warum diese reflexartig anmutende Ablehnung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse? Dass unsere genetischen, bio-chemischen Determiniertheiten „kulturell und edukativ“ überformt sind – wie Ihnen die forensische Psychaterin Nahla Saimeh so schön erklärt hat – macht unser Leben in unseren Augen „sinnvoller“, mehr nicht. Für uns Aufgeklärte gilt es auszuhalten und mit dieser „Überformung“ gewappnet das Beste daraus zu machen, dass unsere Willensfreiheit wenn vorhanden dann beschränkt ist. Und mit Ihrem Seitenhieb gegen die Säkularen, die Darwins „Entstehung der Arten“ angeblich zu einer heiligen Schrift machen, was Sie verheerend finden, sind Sie vulgären Interpretationen, sind Sie dem Sozialdarwinismus auf den Leim gegangen! Dabei haben Sie Seiten zuvor so vernünftig über eine schrumpfende (deutsche) Gesellschaft geschrieben! – Arten entstehen, Arten verschwinden. (Vielleicht auch wir.)

Schade, die letzten Sätze reißen Ihr Buch leider ein ganzes Stück weg vom Pol der Aufklärung. Das schadet dem Anliegen, das war unnötig.

Trotzdem: Lesebefehl, vor allem für erwachsene Männer!

Vorsprung durch Technik

Japan ist weltweit die am schnellsten alternde Gesellschaft. Und die Japaner sind technik-affin. Sicher lohnt also mehr als ein Blick nach Fern-Ost, um zu lernen statt über den schrumpfenden Methusalem zu schwadronieren.

Das japanische Wirtschaftsministerium fördert die Robotik mit einem jährlichen Wettbewerb, dem sogenannten Roboter-Oskar, für bereits auf dem Markt befindliche Roboter. Die Branche boomt, gegenwärtig sollen jährlich 4,5 Milliarden US-Dollar umgesetzt werden. Insbesondere den Haushalts- und Altenpflegerobotern gehört die Zukunft.

Wenn ich dereinst sabbere und nicht mehr selber essen können sollte: MySpoon füttert mich bestimmt weniger genervt als überforderte menschliche Pfleger!

(s. Florian Rötzers Artikel bei Telepolis)