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China und das Klima

Eine kurze Notiz zu einem Buch, das ich selbst nicht gelesen habe – nur die ausführliche Rezension von Reinhard Löser im SdW 4/09, S.105-106. Xuewu Gu und Maximilian Mayer, ein Regionalwissenschaftler und ein Politökonom von der Ruhr-Uni Bochum, haben „Chinas Energiehunger: Mythos oder Realität?“ geschrieben. Abgesehen davon, dass der Rezensent das Buch als „Lese-, Sach- und Abenteuerbuch“ bezeichnet, und es „fabelhaft zu lesen“ findet, soll es seiner Meinung nach wegen der „belastbaren internationalen Quellen und unsereinem unzugänglichen chinesischen Originalquellen“ „keinen Raum für Zweifel an der Datenlage“ lassen. Was kommt ‚raus, auch wider „amerikanischem Verfolgungswahn“?:

Daten Räume

Daten brauchen Platz, ihnen zugewiesene Räume. Dabei spielt es keine Rolle, ob man diese Daten wirklich braucht. Wer will das schon zu gegebener Zeit für alle anderen Zeiten entscheiden? Das hat architektonische Folgen, die BLDGBLOG im Fokus hat:

Wir brauchen Textbunker, gigantische Lagerhallen für Bücher: The Future Warehouse of Unwanted Books. Und auch die digitalen Daten brauchen mehr und mehr Platz: Server Rooms and the Future of Humanism. – Und beide Speicher verbrauchen Energie…

Wie bescheiden stellt sich dagegen Luhmanns Zettelkasten dar, der nach jahrelangem Erben-Streit nun der Wissenschaft zur Verfügung steht. Das weiß Jürgen Kaube in der gestrigen FAZ über eine Vorbesichtigung zu berichten:

Es sind nur vierundzwanzig unauffällige Schubladen, aber es ist eines der sagenumwobensten Geräte der jüngeren Wissenschaftsgeschichte. Denn Zettelkästen gibt es viele, doch aus diesem ist eine ganze Gesellschaftstheorie hervorgegangen.

Natürlich sind Luhmanns Zettelkästen, oder der von Arno Schmidt, oder selbst der Klassifikationsschrank eines Linné, wegen der Verweise und Verschlagwortung vorweggenommene, in der analogen Welt machbare WissensDatenBanken, eine Art Vorläufer der Wikis.

In diesem Sinne interessiert mich am Blog der Zettelkasten.

(s.a. Desideratum général)

Thermodynamik ganz praktisch

Ich lese gerade »Die Entstehung des Wohlstands. Wie Evolution die Wirtschaft antreibt« von Eric D. Beinhocker, aber ich stecke noch im 3. Kapitel. (Später sicher mehr zu diesem spannenden Buch.) Augenblicklich, an dieser Stelle, geht es um die Kritik an den immer noch kanonischen Paradigmen der Wirtschaftswissenschaften, die auf den unausgegorenen physikalischen Erkenntnissen und deren platter Übertragung vor langer Zeit beruhen. Alles strebt nach Gleichgewicht, offene Systeme werden ignoriert usw..

Aber inzwischen, seit dem Ende des 19. (sic!) Jahrhunderts, gibt’s den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik, der kurz gesagt besagt, dass die Entropie als das Maß für die Unordnung oder den Zufallsgrad in einem System stets zunimmt. Beinhocker illustriert das mit einem Beispiel aus dem Alltag, das ich so einprägsam und zugleich amüsant finde, dass ich es hier bringe:

Wir […] stellen uns vor, der zweite Hauptsatz hätte unser Zuhause während einer arbeitsintensiven Woche von einem Zustand der Ordnung in einen Zustand der Unordnung versetzt. Wir beschließen, etwas Energie zu investieren, um die Entropie zu bekämpfen, und legen einen Putztag ein. Schrubbend und wischend verbrennen wir die mitgebrachten Kalorien, während Staubsauger, Spülmaschine und Waschmaschine Strom aus der Steckdose ziehen. Hochgradig geordnete Materie in Form von Essen, Kleidung, Reinigungsprodukten und so weiter dringt in unser Haus. Zugleich erhält das Universum seine Entropie zurück in Form von Wärme, die wir und unsere Geräte in die Umgebung abgeben, und Unrat, den wir der Müllabfuhr und der Kanalisation anvertrauen. Das System unseres Hauses importiert also Energie und Materie, um damit innerhalb seiner Wände mehr Ordnung zu schaffen, und gibt im Gegenzug Entropie in Form von Wärme und ungeordneter Materie an die Umgebung ab.