Posts Tagged: Fußball

Passübungen

„Das Chaos“ heißt die Trainingsübung […]: Ein Jugendteam spielt mit acht Bällen gleichzeitig auf ein Tor; acht Duelle eins gegen eins, „damit wollen wir den Straßenfußball imitieren“, sagt Benaiges: „Sie müssen aus den Augenwinkeln immer darauf achten, nicht mit anderen Spielern zusammenzustoßen.“ […] „Bis zum Exzess machen die hier kleine Spielübungen auf engstem Raum, etwa vier gegen vier mit drei variablen Spielern.“ Es sind Übungen, bei denen nur gepasst und permanent blitzschnell zwischen Angriff und Verteidigung gewechselt wird. Es sind die entscheidenden Handlungen des heutigen Spitzenfußballs. […] In Spanien nimmt dieses Passen auf engstem Raum bei hohem Tempo bei sehr vielen Erstligisten gut ein Drittel der Trainingszeit ein – jeden Tag.

(Ein Nachwuchstrainer des TSV 1860 München erkundet in Barcelona die Welt des schnellen Kurzpass-Spiels und ist erstaunt über das, was er sieht. Quelle: taz vom 26.03.09)

Mainz Photos #3

Auf dem Domplatz, am Tag nach dem 05er Fan-Event.

Fussball und Fetischismus

Hartmut Böhme wendet seine in »Fetischismus und Kultur« dargebrachte Deutung der Moderne trendgemäß aber passend auf den Fussball an. Da wird der Kult in vielen seiner Ausprägungen gewürdigt, die Stadien als moderne Kathedralen, die Orgie der Ansteckung, die Bekreuzigungen der Spieler, das magische Berühren des Rasens und anderes im religiösen Patchwork.

In seinen Deutungen des Spektakels, pop-kultureller Großereignisse als erlebnisintensive Sinn- und Gemeinschaftserfahrung ist er sich mit Theweleit – der andere Intellektuelle, von dem ich auch Auslassungen zum Fussball akzeptiere, mag – offenbar einig.

Lesenswert ist der ganze Essay, klar. Ich mag den Schluss besonders:

Das Tor gehört ja nicht eigentlich zum Spielfeld; es ist vielmehr ein typischer Taburaum, eine merkwürdige Leere, in der sich irgendwie das Allerheiligste des Kollektivs konzentriert.
Das begründet auch die archaische Sonderstellung des Torwarts, des Hüters von was auch immer: dem Heiligen, dem Schatz oder der Weiblichkeit, die in diesem Spiel der Männer eine Art abwesende Anwesenheit darstellt, das Unberührbare, das zu berühren der einen Seite orgiastische Triumphe und der anderen Demütigung und Schmach einbringt. Von diesem Taburaum aus erklären sich die erotischen Rhythmen des Spiels, das Eindringen und Zurückziehen, das Verlangsamen und Beschleunigen des Tempos, das Überwinden der Abwehr und die verbissene Verteidigung der Reinheit dieses seltsamen Torraums.
[…] Wenn es denn stimmt, dass Kultur abgezweigte libidinöse Energie ist, dann ist Fußball eine Allegorie der Kultur.

(via metamorphine)

Herr Lehmann

Es gibt ’ne Menge Frauen, die stehen auf Jens Lehmann. Nicht erst seit den Bildern von der WM oder dem atemberaubenden Gaga-Interview mit Frau Lierhaus. Aber es dürften mehr geworden sein, seit dem.


Frau Lierhaus interviewt Herrn Lehmann, die letzten 30 Sekunden des Videos

Frau Neudecker zum Beispiel. Oder Dee:

Ab dieser WM werde ich an jedem Wettbewerb teilnehmen, der als Hauptgewinn einen Tag mit Jens Lehmann verlost.

Mehr für Fans: die unglaubliche Lehmann Show – 2005-06 with Arsenal

Den Zidane machen

Dies könnte eine bleibende Redewendung werden…

Wie’s geht, sieht man da. (Ich liebe das Web.)

Beim Perlentaucher ist Zidane der Link des Tages.

Torloses Woodstock

Ja, ich weiß, noch ist’s nicht zu Ende. Zwei Spiele stehen noch aus, aber man darf trotzdem schon ‚mal etwas zusammenfassen, was in der Tendenz so offensichtlich ist, dass die Aussage Bestand haben wird. Hans Ulrich Gumbrecht, „unser“ Mann in Stanford (s.a. hier), definiert den „globalisierten Fußball“, wie wir ihn in den letzten Wochen sahen, als

„ein Spiel, das die Räume für die Ballaufnahme enger macht und für Pässe in den freien Raum verschließt; ein Spiel, in dem Ballsicherung und das Warten auf momentane Fehler beim Gegner im Vordergrund stehen; ein Spiel, das für große Strategen wie Pele oder Beckenbauer keinen Platz mehr hätte, aber beschleunigende und dann wieder verlangsamende Katalysatoren wie Zidane braucht; ein Spiel vor allem, das körperliche Fitness und kollektive Intensität belohnt.“

Und die partymäßige Stimmung kommentiert er, darin nah bei Theweleit, so:


Fussball, WM und Statistik

Die Information Builders liefern eine OnTheBall Statistik für die zu Ende gehende Fussballweltmeisterschaft. Diese ist ein hübsches webbasiertes Spreadsheet mit Sortieroptionen für jedes Kriterium. Zu diesen gehören u.a. auch Schwalben, Wutausbrüche, vorgetäuschte Verletzungen und Hymne nicht gesungen. Italien führt bei den Schwalben, Frankreich bei den Wutausbrüchen, Serbien-Montenegro beim Hymne-Nicht-Singen und Deutschland bei, aehm, den Fouls.

(via Computerwoche.de)