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Fotoausstellungen im August

IMG_1181_300»Vestiges 1991-2015« von Josef Koudelka. Im Besucherzentrum des Pont du Gard – eines der „Vestiges“ – läuft noch bis Ende Oktober die Ausstellung von Koudelkas eindrucksvollen Schwarz-Weiß-Panoramen von Resten/Spuren gebauten römischen Erbes rund ums Mittelmeer. (Koudelka ist mit dieser Passion nicht allein, wie Magnum behauptet. Siehe Alfred Heilands Projekt »Imperium Romanum«.)

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Ein Sommer in der Provence – dazu gehört auch (mindestens) ein Tag in Arles mit einem Besuch der Ausstellungen des legendären Fotofestivals »Les Rencontres de la Photographie«. Was haben wir gesehen, was gefiel?

Zu Beginn eine Retrospektive: Stephen Shore. Die umfangreiche Ausstellung in den (klimatisierten) Räumen des Espace van Gogh ist eine Übernahme aus Madrid. Ein sog. Blockbuster, der gefallen konnte, vor allem die Werke aus den »Uncommon Places« sowie die Schwarz-Weiss-Aufnahmen aus New York 2000-2002. (Unten eine fotografische Impression von diesem Teil der Ausstellung.)

arles2015Nebenan, in der Église des Trinitaires, zeigte Toon Michiels seine Aufnahmen von »American Neon Signs by Day & Night« aus den 1970er Jahren. Ein Beitrag der Kuratoren zur Dialog-Reihe des Festivals, hier Architektur und Fotografie. (Eine andere Ausstellung aus dieser Themengruppe, Markus Brunettis »Facades«, hatte ich vor einem Jahr während der Photokina in Köln schon gesehen.)

Photographische Korrespondenzen aus fernen Ländern, so benannten die Kuratoren einen weiteren Schwerpunkt. Die beiden Ausstellungen dazu gefielen mir unterschiedlich. Während die ethnografisch inspirierten Aufnahmen von Feuerland-Ureinwohnern, vom deutschen Priester Martin Gusinde Anfang des 20. Jahrhunderts aufgenommen und im Cloître Saint-Trophine ausführlichst gezeigt, bei mir keinen Nerv trafen, gab es in der Église Sainte-Anne ordentlich etwas auf die Sinne: »Another Language«, acht japanische Fotografen mit über 200 Werken. Kou Inose mit »Dogra Magra (1982-2007)« und Issei Suda mit »Early Works (1970-1975)« ragten für mich heraus. (Unten eine Impression aus der Ausstellung.)

Zwei Ausstellungen mit neuen Ansätzen in der Dokumentarfotografie, so ein weiterer Themen-Schwerpunkt, waren durchaus interessant, allerdings meiner Meinung nach nicht rundum gelungen: Die die einzelnen Aufnahmen begleitenden meist notwendigen Texte lenkten zu sehr ab. Oder: ohne die Texte sind die Aufnahmen kaum zu „verstehen“. Paolo Woods und Gabriele Galimberti besuchten opake Stätten der Macht. »The Heavens. Annual Report« aus sog. Steueroasen (Delaware, Jersey, Panama, Singapore, British Virgin Islands, City of London usw.) Es entstanden teils ungewöhnliche „Symbolbilder“. – Natasha Caruana kommentierte in ihrer Ausstellung im Salle Henri-Comte »Love at first sight« mit Fotografien und anderen bildlichen Darstellungen diverse zwischenmenschliche Versuchsanordnungen.

Dann noch »Daring Photography – 50 years of avant-garde collection in Arles« im Musée Réattu. Etwas lieblos. (Das geht besser, wie eine Woche später anderswo gesehen.)

Zwei andere Ausstellungen aus der Dialog-Reihe, diesmal Kino und Fotografie, lagen sozusagen am Wegesrand zurück in die Alpilles und bildeten somit den Abschluss des „Arles-Tages“: In der Abbaye de Montmajour zum Einen Sandro Millers »Malkovich, Malkovich, Malkovich: Hommage to Photographic Masters«, zum Anderen Raul Ronalds Farbfotografien vom Set von Fellinis letztem S/W-Film »8½«.