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→ Datenschutz in Bibliotheken: Sie nennen es Service, dabei ist es Torheit

Roland Reuß gewohnt wortmächtig / überdrehend, aber vielleicht – wenn man das gelegentlich überzeichnende Firmen-Bashing ausblenden kann – zum Innehalten und Nachdenken anregend: …read more

Source: Instapaper Liked

s.a. dort 1, 2, 3 sowie hier im Blog 1, 2

Dolmetscher der technologischen Intelligenz

Es ist an der Zeit, die digitale Revolution […] in ihrer ganzen Wucht zu erkennen. […] Die Informatiker müssen aus den Nischen in die Mitte der Gesellschaft geholt werden. Sie müssen die Scripts erklären, nach denen wir handeln und bewertet werden. Was ist voraussagende Suche und was kann sie? Was ist „profiling“? Wer liest uns, während wir lesen? Technologien sind neutral, es kommt darauf an, wie wir sie benutzen. Um das zu können, brauchen wir Dolmetscher aus der technologischen Intelligenz.

Quelle: Frank Schirrmacher, FAZ vom 23.01.2010, faz.net


Apple, Google und das Monopol

Think different!
Apples Werbekampagne (1997-2002)


Apple bestimmt über sein iTunes, wie Benutzer mit dem iPod und dem iPhone umzugehen haben, sofern sie ihr Ego mit diesen Gadgets schmeicheln wollen. Zumindest der iPod ist in dieser Geräteklasse das Maß der Dinge, das iPhone ist auf bestem Wege dazu. Apples Marktanteil wächst und wächst.

Google ist und bleibt absehbar auf dem Markt der Suchmaschinen unangefochtener Spitzenreiter. Die Ingenieure der Firma sprudeln vor Ideen, und manches davon erweist sich als geniales Tool, dass man nicht mehr missen möchte. Zum Beispiel den RSS-Reader, Google Maps & Earth, demnächst wahrscheinlich Books und Genes.

Die Benutzer wählen die für sie besten Produkte aus. It’s Marktwirtschaft, stupid.

Der wirtschaftliche Erfolg hat Neider, die faktische bzw. mögliche Monopolstellung ruft die warnenden Experten auf den Plan. – Was hindert(e) eigentlich die Koalitionäre und anderen Mitbewerber, die über Geschäftsmodelle sinnierenden Bürokraten in den staatlichen Geodatenbunkern, die Torwächter des Wissens in den Staats- und Landesbibliotheken daran, bessere Produkte auf den Markt zu bringen, statt zu klagen?

Kulturkampf (2)

Pünktlich zum Welttag des Buches und des Urheberrechts hat Jürgen Neffe („Einstein“, „Darwin“) in der Zeit einen langen Beitrag zum Kulturwandel in Sachen Buch geschrieben: „Es war einmal“. Die Ära des gedruckten Buches geht zu Ende, wenngleich es diese weiter geben wird. Die bestimmende Form aber ist die digitale, und Neffe findet das ganz und gar nicht traurig. Er macht auch gleich einige Vorschläge für die Vermarktung digitaler Texte. Insgesamt sieht er im digitalen Zeitalter sogar mehr Chancen für eine autorengerechtere Entlohnung. Neffe schließt mit

Womöglich werden wir oder unsere Nachfahren eines Tages, um das Lesen und Schreiben zu retten, noch einen Schritt weiter gehen und allen alle Texte und Inhalte grundsätzlich kostenlos zur Verfügung stellen. Freie Lektüre als Teil des Grundrechts auf Bildung – und als Erfolgsmodell moderner Wissensgesellschaften. Open Access wäre nicht der Untergang des Abendlandes. Im Gegenteil.

(In der heutigen FAZ ist übrigens ein Foto von Enzensberger vor seinem Bücherregal; darinnen präsentiert er stolz ein eBook-Reader.)

Herr Reuß (siehe hier) hingegen kann es nicht lassen: wiederholt und mit Methode vermengt er seine nicht unberechtigte Kritik an Googles Digitalisierungsaktivitäten auf der einen Seite und Open Access als Publikationsform vor allem von Naturwissenschaftlern auf der anderen Seite. Deshalb, wegen dieser Vermengung, kann man als vernünftig denkender Mensch seinen Appell nicht unterstützen! Mit viel Schaum vor dem Mund hetzt er in „Unsere Kultur ist in Gefahr“ gegen die „Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen“1) (die Anführungszeichen sind von ihm) und gegen Open Access – ohne dieses Wort in den Mund zu nehmen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Herr Reuß so dumm ist, nicht den Unterschied zwischen dem ungefragten Einscannen von Büchern und Open Access zu erkennen. Vielleicht nutzt er gar wissentlich seine Anti-Google-Kampagne in Sachen Urheberrecht zur Verleumdung von Open Access, dass in den Geisteswissenschaften mit seiner langsamen Buchkultur noch nicht Fuß gefasst hat? Vielleicht ist es Ausdruck eines Unbehagens vor Zeiten, wie sie Jürgen Neffe skizziert hat?!?

Können 1500 Unterzeichner2) irren? Vermutlich haben die weitaus Meisten gegen die als Enteignung3) empfundene Einscan-Aktion durch Google gestimmt, nicht gegen Open Access in der Wissenschaft, wie Reuss es darstellt und gerne hätte. Die Zahl ist das Maß der Dinge? Wenn ja, dann sieht’s vergleichsweise schlecht für den „Heidelberger Appell“ aus, denn die „Petition for guaranteed public access for public-founded research results“ hat bisher 27652 Unterzeichner (Stand 25.04.2009)

Die aktuelle Diskussion wird u.a. dort zusammengefasst:
• Informationsplattform Open Access: Aktuelle Diskussion um Open Access und Urheberrechte
• Infobib: Beiträge mit Tag heidelberger_appell sowie Materialsammlung zum Heidelberger Appell
• Archivalia: Open Excess: Der Heidelberger Appell
• delicious: CHs Bookmarks, alle Bookmarks

1) Alle deutschen Wissenschaftsorganisationen hatten sich gegen seinen „Heidelberger Appell“ gewandt und zu Open Access bekannt, haben den Vorwurf der Einschränkung der Publikationsfreiheit zurückgewiesen. (Gemeinsame Erklärung).
2) Politiker: Dass Frau Zypries den Heidelberger Appell unterstützt, wundert mich eigentlich gar nicht mehr. Frau Leutheusser-Schnarrenbergers Unterschrift hätte ich nicht erwartet.
3) Die Enteignung der Autoren durch die Verlage wird im Appell bezeichnenderweise nicht thematisiert.


Kulturkampf

Man ist ja fast versucht, Herrn Reuß auf erprobte Art als „Professor aus Heidelberg“ zu denunzieren…

Der Herr Reuß wurde zornig, weil er von ihm mit herausgegebene Kleist- und Kafka-Briefe (deren Urheberrecht abgelaufen ist) bei Google-Books entdeckte. Dieser Zorn und einiges Open-Access-Ressentiment entlud sich in einer Polemik in der FR, wilden Repliken (z.B. hier wieder in der FR oder dort als Machtergreifungs-Phobie in der FAZ) auf Gegenargumenten und kulminiert gegenwärtig wohl im Heidelberger Appell. Er und seine Unterstützer werfen Open Access und Google in einen Topf, schreien: „Enteignung“! Ein Kulturkampf tobt.

Zur Genese: Gudrun Gersmann‘ Antwort in der FAZ (dort zitiert und kommentiert) hatte ich im Flieger ans andere Ende der Welt gelesen. (Und dann die Sache vergessen.) Matthias Spielkamp hat heute im Perlentaucher (Open Excess: Der Heidelberger Appell) eine umfassende und überzeugende Kritik an den Umtrieben von Reuß & Co. geliefert. Klaus Graf sammelt und kommentiert auf Archivalia das Medienecho und die Standpunkte. (Derzeit und in umgekehrter zeitlicher Reihenfolge: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10). Selbst bei golem.de gibt es einen informativen und kritischen Überblick: Ein Kulturkampf um das Wissen.

Es sieht so aus, als verdeutliche die Kampagne – und welche Unterstützer diese findet – wieder einmal den tiefen Graben zwischen Geistes- und Natur- bzw. Technikwissenschaftlern. Schade, dass von mir geschätzte Literaten und Wissenschaftler (Theweleit, Kehlmann, Braun) zu den Appellunterzeichnern gehören.

[UPDATE:] s.a. KULTURTECHNO, Materialsammlung bei Infobib

Angst vor Wikipedia und Google?

Die vom Grazer Informatik-Professor Maurer in den Ring geworfene Materialsammlung »Report on dangers and opportunities posed by large search engines, particularly Google« schlägt im Web Wellen. Darinnen, im Paper, wird auch eine Google-Wikipedia-Verschwörung behauptet. Die Wikipedia schlägt derweil wieder einmal in einem Test, dem Stern-Test, den Online-Brockhaus. Tja, und weil sie so gut ist, und Google zu Wikis und Blogs eine technisch bedingte Affinität hat… Für manche naht der Untergang des Abendlandes.

Ich bezweifle, ob alternativ große staatliche Monopole besser wären.

Ich meine, man sollte nicht auf das Medium einprügeln, wenn an Missständen wie Unfähigkeit zu methodisch sauberem wissenschaftlichem Arbeiten und zu quellenkritischer Rezeption mehr als berechtigte Kritik geübt wird. Es gibt ein gesellschaftliches Vermittlungsproblem hinsichtlich Informations- / Medienkompetenz.

Wenn wir da draussen im Web statt der qualitativ hochwertigen Quasi-Monopole viele kleine, niedliche Ersatz-Googles und -Wikipedias hätten, wären die genannten Kompetenzdefizite auch nicht etwa verschwunden.

Man kann sich ein Meinungsbild zum Paper und seine Autoren sowie deren Rezeption machen, indem man die Diskussionen in der Mailingliste Inetbib (Thread im Webarchiv, etwas zeitversetzt) verfolgt – oder die Kommentare bei Mathias Schindler liest.

[UPDATE:] Ein Testbeispiel für Wikimedia-Treffer bei Google & anderen Suchmaschinen für den Begriff „Ironie“.
[UPDATE 2:] Ko-Autor Stefan Weber: Wikipedia IST höchst problematisch – Fallbeispiele, auf Inetbib

Unkritischer Umgang mit Internetsuchmaschinen?

Experten warnen vor sinkender Wissensqualität und sehen die Ursache im unkritischen Umgang mit Internetsuchmaschinen. – Man prügelt auf das Medium, aus Angst … wovor eigentlich? Natürlich steckt im Deep Web ’ne Menge wertvolles Wissen, was leider nicht ausreichend erschlossen und zugänglich ist. Und Informationsgewinnung kann selbstverständlich auch aus dem Brockhaus unkritisch erfolgen.

Auf Inetbib wird diese „Expertenhaltung“ von Klaus Graf zu Recht angeprangert, Rainer Kuhlen pflichtet bei:

Es ist durch empirische Untersuchungen hinreichend nachgewiesen, dass eine pauschale Aussage, dass ein Brockhaus wesentlich wertvoller ist als die Wikipedia, eindeutig falsch ist. Man kann tausende Wikipedia-Artikel angeben, aus denen kritische Studierende wesentlich substantiellere Informationen entnehmen koennen als aus dem Brockhaus.

Fundierte Informationen sind via OAIster oder Google Scholar oder Google Book Search oder Google Websuche sehr wohl zum Nulltarif (also ohne zusaetzliche Lizenzkosten) zu haben. Nach meiner langjaehrigen Erfahrung bieten kostenfreie bibliographische Datenbanken im Netz sehr wohl bessere bzw. wertvolle ergaenzende Informationen als die in den Hochschulnetzen Angebotenen.

(via inetbib)