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Menschen und Maschinen

Gunter Dueck wird auch wegen seiner Ironie sehr geschätzt. Zurecht. Hier ein aktuelles Beispiel: Der gleiche Text, wobei der erste Screenshot den Teaser im RSS-Reader, der zweite diesen dann auf der Webseite zeigt.



Herzblut und Bologna

Studiengebühren werden von Befürwortern als Regelgröße angesehen, über die man Einiges beeinflussen kann. Neben fragwürdigen Effekten wie die Selektion, wirken Gebühren im Allgemeinen und vor allem bei den Studierenden, die es „nicht so happig“ haben, auch auf die Intensität, mit der studiert wird. Man kann sich ein spätes Umorientieren oder ein Bummeln nicht mehr leisten.

Eine andere Regelgröße sei Herzblut, Leidenschaft. Das meint Gunter Dueck in seiner Kolumne Dueck-ß-Inside (Dezemberheft Informatik Spektrum, online [non-public] im Oktober publiziert). Darinnen geht es um die vielerorts gezogene, ernüchterte Zwischenbilanz im Bologna Prozess.

Die Professoren wollten das Projekt nie, weil sie sich vorher und hinterher nicht für die Lehre stark interessieren. Die Studenten wollten eine bessere Ausbildung und interessante Vorlesungen. Die Wirtschaft schimpfte damals, dass die Studenten durchschnittlich 15 Semester bis zum Diplom brauchten. „Wenn im Durchschnitt 7,5 Jahre an etwas gearbeitet wird, wofür theoretisch 4,5 Jahre gebraucht werden – was können wir dann an Leistung im Betrieb erwarten? Soll alles erst in 166 Prozent der Zeit gelingen?“

Kann mehr Herzblut die Leiche beleben?

Corporate Wiki

Gartner & Co. reden ja schon einige Zeit davon, weisen schon seit ein paar Jahren dem Corporate Web 2.0, egal ob in Gestalt eines Blogs oder Wikis, seinen Platz auf ihrem Hype Cycle zu. Im Real Life sind mir – von meinem etwas abseitigen Standort aus gesehen – keine Fälle bekannt, bei denen die Experimentierphase vollständig überwunden wurde, bei denen mit diesen Tools ein für das Unternehmen oder die Organisation essentielles Wissensmanagement aufgebaut wurde.

Die Computerzeitung interviewt Gunter Dueck, der bei der IBM 2007 Bluepedia als Corporate Wiki initiiert hat. Dueck spricht vor allem und völlig zu Recht von der notwendigen Freiwilligleit, von der eigenwilligen Community, vom Faktor Mensch.

Technisch ist es kein Problem, aber die Community muss entstehen.

Und Dueck argumentiert gegen das Geschwafel vom unnützen, die Arbeitszeit vertändelnden Zeugs. Das kommt dann oft und gerne von denen, die wichtige Wissens-Fitzel via Telefon bei Kollegen suchen – für sie vielleicht effizient, die Angerufenen aber brutal störend.

Es gibt auch ein paar eigene Erfahrungen in der Sache. Im Sommer 2007 hatte ich ein Blog (und webbasierte Gruppenkalender) für das Bibliotheksteam aufgesetzt. Es soll die Kommunikation auch mit den vielen Teilzeitbeschäftigten und studentischen Hilfskräften verbessern. Alle rezipieren dies teils begeistert, es gibt keine Rundmails mehr. Der Sprung zur aktiven Teilnahme ist allerdings noch lange nicht geschafft.

Es lässt sich nicht erzwingen. Was tun?

Überflieger

Tagungshotels an Flughäfen sind ideal für Veranstaltungen mit Überflieger-Themen. Wenn man Glück hat, gibt es Häppchen, Getränke und buzzwords bis zum Abwinken. (Ich hatte Glück, es gab sogar Brunch.) Dazu kommt, dass Vortragende und Publikum an diesen Orten fast zwangsläufig multilingual sind. Das schult. Heute hörte ich bayrische, sächsische, schweizerdeutsche, ruhrpöttische und berlinische Töne. ITler, QMler, Prozessmanager aus diversen Branchen wie Pharma, Medizin, Consulting und Bestatter tummelten sich auf einem von iGrafx veranstaltetem Business Process Management Day. Der thematische Bogen reichte bis Compliance Management und Alignment der Prozesse an ITIL.

Es war ziemlich interessant, doch! Und Compliance Management muss sein! Sonst hält sich niemand an die fein dokumentierten Prozesse. Die Mitarbeiter sind zu intelligent, nutzen zum Leidwesen des BP-Managers Freiheitsgrade aus. Das geht, weil Gunter Duecks geniale Idee der Lean Brain Quality (»Erfolg und Effizienzsteigerung durch Null-Hirn«) noch nicht ausreichend bekannt ist. LBQ wird durch LBM erreicht, alle Intelligenz muss raus aus den Hirnen und rein ins System! Das wäre ein Segen für Prozessmanager. Aber das ist ein anderes Thema und ich schweife ab.

Doch auch das heutige Programm war nicht völlig satirefrei. So wurde der Vorteil eines Versionsverwaltungssystems für verteilt arbeitende Prozessmanager herzerwärmend anschaulich wie folgt beschrieben:

nur das wa eben nich auf der Festplatte arbeiten sonnern inna Datenbank

Oder als die Prozessbildchen und -daten als Webprojekt exportiert wurden:

is ja echt toll mit dem Innernet Explorer 7, da kann man Vergrößerung einschalten

Da war ich sprachlos.