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Alte Männer

Zwei wirklich alte Männer sind in den letzten Tagen gestorben, Männer mit einem gewissen intellektuellen Einfluss und mit jeweils einer Grundhaltung, für die sie geachtet wurden, geachtet werden. Männer, die in dieser Haltung bzw. in der Wahrnehmung dieser unterschiedlicher nicht sein konnten: Joseph Weizenbaum und Arthur C. Clarke.

Weizenbaum. Rebell at Work.

Joseph Weizenbaum ist immer noch unbequem, greift immer noch die seiner Fachkollegen an, die vor lauter Allmachtsphantasien und blinder Wissenschaftsgläubigkeit ihr Können bewusst der Nutzung zu militärischen Zwecken zur Verfügung stellen.

Nun ist als eine besondere Hommage unter vielen der Dokumentarfilm „Weizenbaum. Rebell at Work“ von Peter Haas und Silvia Holzinger erschienen.

Endlich mal ein Film über Computer und Software, den man verstehen kann und der gesellschafts-politisch relevant ist.

Auf YouTube gibt’s den Trailer.

Ich konnte Weizenbaum im vorigen Jahr live erleben. Und ich hatte damals ein ganz und gar nicht euphorisches Empfinden; da war mir trotz Zustimmung im Einzelnen zu viel Geschichtsskeptizismus und Pauschalisierung. Eine gewisse Eitelkeit, die die werbenden Filmemacher nicht gesehen haben wollen, sei geschenkt bzw. unter dem Alte-Männer-Bonus verbucht.

Ethikseminar mit Joseph Weizenbaum

Joseph Weizenbaum auf Tour, gestern in Darmstadt, heute in Potsdam. Die darmstädter Veranstaltung ist dort vermutlich gut zusammengefasst, weil: es war gestern dort in Darmstadt sicher ähnlich wie heute in Potsdam (im größten und dennoch überfüllten Hörsaal der FH). Zumindest der Pullunder war der gleiche, das annekdotenhafte Erzählen – ein Vorrecht der weisen Alten bzw. alten Weisen – ebenso. Weizenbaum plauderte über den Wandel der nicht nur sein Wissenschaftlerleben begleitenden Fragestellung: von „Der Einfluss der Gesellschaft auf die Computertechnologie“ (Kalter Krieg, Militär, Miniaturisierung usw.) zu „Der Einfluss der Computertechnologie auf die Gesellschaft“ (Ubiquitäres Computing, Embedded Systeme usw.). Er sieht das Beherrschen der eigenen Sprache als Schlüsselqualifikation, eine vorrangige Aufgabe für Eltern und Schule.

Joseph Weizenbaum hat eine Mission, will in seinen Vorträgen und Gesprächen transportieren, dass verantwortungsvolles, idealistisches Handeln jedes Einzelnen in einer materialistischen Welt („Wir leben in einem Irrenhaus.“) möglich und notwendig ist. Dass dies die einzige Chance, die einzige Quelle von Hoffnung ist, die er sieht. In seinem Geschichtsskeptizismus scheint er Stephen W. Hawking ähnlich zu sein, er sieht nicht nur Manhattan bald unter Wasser. Trotzdem sieht Weizenbaum Inseln der Vernunft, die solle man stärken, und Brücken zwischen ihnen bauen.

Joseph Weizenbaum in Potsdam

Eine Terminsache zur Erinnerung: Joseph „Eliza“ Weizenbaum, Computerexperte und -kritiker, spricht am 19.10.2005 in Potsdam zur Verantwortung des Wissenschaftlers in der heutigen Zeit – zur globalen Problematik des verantwortungsbewussten Umgangs mit den Möglichkeiten der Technik und zur Bedeutung des Individuums für die moralische und politische Entwicklung der Gesellschaft.

Einzelheiten zur Veranstaltung stehen dort.