Posts Tagged: Katja Nicodemus

Tilda

Danke, Katja Nicodemus, für diese mehr als angemessene Würdigung!

Depardieu

Danke, Katja Nicodemus, für dieses tolle Interview mit Gérard Depardieu!

GD: Ein Körper ist nicht genug. Ich mag auch keine Frauen, die sich nur als Weibchen gebärden. Ich finde Menschen interessanter und auch irgendwie vollständiger, in denen mehrere Optionen angelegt sind. Egal für welche man sich dann im Leben entscheidet.
KN: In Chanson d’Amour haben Sie eine romantische Beziehung zu Cécile de France. Sie wirkt viel härter und cooler als Sie.
GD: Ich spiele den unglücklich Verliebten. Sie ist der moderne unromantische Typus, immer am Computer und am Handy. Auch dadurch kehren sich die Rollenverhältnisse um. Die Rolle des femininen Mannes entspricht mir sehr. Bis vor kurzem war ich mit Carole Bouquet zusammen. Sie ist ein sehr harter Frauentyp. Auf der Leinwand wie auch im Leben. Das habe ich immer an ihr bewundert.
KN: Haben Sie denn irgendwelche Vorbilder?.
GD: Ja. Catherine Deneuve. Sie ist der Mann, der ich immer sein wollte.

Wer hätte gedacht, dass man sich mit Depardieu über Geschlechterfragen unterhalten kann?

Den Film Chanson d’Amour gab’s übrigens auch auf der Heiligen Preview Nigth der Berliner Yorck-Gruppe; er ist wegen der Zwischentöne durchaus sehenswert.

(Das Interview steht in der aktuellen Zeit.)

Berlinale V

Der heutige Tag begann mit »Men at work (Kargaran mashgool-e karand)« des Iraners Mani Haghighi. 4 Männer, stark gefährdet in Sachen midlife-crisis, auf der Rückfahrt von einem missglückten Skiurlaub. Sie sehnen die Übertragung des WM-Qualifikationsspiels Iran vs. Japan am Abend herbei. Bei einer Pinkelpause springt ihnen ein merkwürdiger Stein ins Auge und ins Hirn: das Phallussymbol(?) gehört gestürzt. Auf die komischste Art und Weise machen sie sich und vorbeikommende Helfer ans Werk. Doch trotz Esel, Stahlseil-Winde am Jeep, einer Kettensäge-schwingenden Frau u.a. will es nicht gelingen. Der Stein wackelt nicht. Spät abends, im Auto sitzend, das Fussballspiel wird abgepfiffen, 2:1 gewinnt der Iran, da stürzt der Stein tosend zu Tal (man sieht es nicht). Willkommen in Deutschland, Iran!

Es ist der komischste, heiterste Film, den ich bisher auf der Berlinale sah. Er unterläuft alle europäischen Erwartungen, denen zufolge ein hier gezeigter iranischer Film mindestens sozialkritisch sein muss.

Vom rumänischen Regisseur Tudor Giurgiu stammt der Film »Love Sick (Legaturi Bolnavicioase)«: incestuous love between brother and sister beats love between a girl and a girl.

Zum Schluss noch einen iranischen Film: »Gradually… (Be Ahestegi…)«. Maziar Miri blickt auf die iranischen Geschlechterverhältnisse. Ein einfacher Mann, der von seiner Ehefrau verlassen wurde, tut nicht, was seine Umgebung von ihm fordert. Er sucht sie, und nachdem er sie gefunden hat vergibt er ihr, statt sich scheiden zulassen, sie ins Gefängnis zu oder gleich umzubringen.

Zur iranischen Kinolandschaft und die Berlinale-Filme siehe auch Katja Nicodemus: Terminator trifft Chomeini in der Zeit vom 06.02.2006.

Dschungel der Angst

Der Film »Tropical Malady« fiel zunächst durch mein Aufmerksamkeitsraster, das vordergründige Sujet – die homosexuelle Beziehung zweier Thailänder – interessierte mich nicht. Doch dann hörte und las ich: das ist der ungewöhnlichste, mysteriöseste Film, den es zur Zeit zu bestaunen gibt.

Es stimmt. Für den zweiten Teil.

Katja Nicodemus in der Zeit:

Man kann das Interpretieren aber auch einfach sein lassen. Und mit Apichatpong Weerasethakuls hypnotischen Bildern in den Wald gehen. Da ist zum Beispiel die Aufnahme eines riesigen Baumes, der in der Nacht minutenlang durch das Licht der Glühwürmchen zu pulsieren scheint. Als sei der Baum ein fremdartiges Lebewesen, eine riesige phosphoreszierende Qualle, die sich ins falsche Element verirrt hat. Oder die Szene, in der sich Jäger und Tiger eine Ewigkeit lang ins Auge blicken. In der Schwärze der Nacht hört man das langsam lauter werdende Zähneklappern des Mannes. Und die Zeit scheint wie eingesogen von der ewig flirrenden Urwaldwand.

Tropical Malady geht über unser klassisches Bilder- und Geschichtenverständnis hinaus. Womöglich gibt es auch gar nicht so viel zu verstehen in einem Film, der auf einer anderen, physischen Art der Wahrnehmung beruht. Einer Wahrnehmung, in der die Unterschiede zwischen Mensch und Wald, Geist und Tier unaufhaltsam vom Grillenzirpen eingeschmolzen werden. Wer sich Weerasethakuls Kino überlässt, den wird sein unheimlicher Seelendschungel, in dem jedes Käferbeinchen an unsere Kreatürlichkeit erinnert, so schnell nicht mehr loslassen.