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Der Bart von Lepanto

Indem wir Euch das Königreich Zypern entrissen haben, haben wir Euch einen Arm abgetrennt. Indem Ihr unsere Flotte besiegt habt, habt Ihr uns nur den Bart abrasiert. Der Arm wächst nicht wieder nach, aber der Bart wächst nun umso dichter.
Der Großwesir zum venezianischen Botschafter in Konstantinopel, zitiert nach Wikipedia


Manchmal, eher selten, wird man durch zufällige Begegnungen innerhalb einer kurzen Zeitspanne auf ein und dasselbe historische Ereignis hingewiesen, von dem man bis dato gar nichts wusste. Mir passierte es kürzlich in München, Regensburg und im Veneto, und ich bekenne, die Seeschlacht von Lepanto war für mich bis dahin ein mir nicht bekanntes Ereignis.

Die Republik Venedig gehörte 1571 zu den katholischen Alliierten, die es fertigbrachten, ihre Privatfehden eine Weile ruhen zu lassen, um sich der expansiven türkisch-islamischen Seemacht entgegenzuwerfen, um den befürchteten Ruin abzuwenden. Kurzum, das gigantische Gemetzel war für die Alliierten erfolgreich, blieb aber strategisch folgenlos. Nicht jedoch für die Produktion von Mythen, bis in die heutige Zeit wird der Jahrestag der Schlacht gefeiert, werden Bilder produziert.

Für die 49. Biennale di Venezia 2001 bekam Cy Twombly den Auftrag, einen Raum zu gestalten. Und so schuf Twombly einen 12-teiligen Zyklus großformatiger Bilder: »Lepanto« [1]. Beim Betreten des Lepanto-Saales im Münchner Brandhorst-Museum – dort hängen die Bilder nun – stockte mir fast der Atem. Twombly schafft es, mit abstrakten Gemälden, die auch eine Nuance Gegenständliches (die Schiffe) enthalten, eine solche Stimmung, auch Beklemmung zu erzeugen.

In Regensburg soll der deutsche Kaiser Karl V. 1546 seine letzte große Liebe getroffen haben. Der 46 Jahre alte, nicht mehr so ganz fitte Kaiser und die 18 Jahre alte bürgerliche Barbara Blomberg zeugten einen Sohn: Don Juan de Austria. [2] Regensburg feiert diesen unehelichen Sohn, in der Altstadt, auf dem Zieroldsplatz, steht eine Kopie des barocken Denkmals für den Helden von Lepanto. Don Juan de Austria war der Oberkommandierende der christlichen Flotte.

Im Veneto feiert man alljährlich wie anderswo auch am 7. Oktober das Rosenkranzfest. Im Dorf Galzignano Terme in den Euganeischen Hügeln spielt man dabei die Seeschlacht von Lepanto mangels Schiffen auf Eseln reitend nach, so erzählte es die Reiseführerin. Danach werden die Esel geschlachtet und – eine lokale Spezialität – mit weißer Polenta (Achtung: Anagramm-Alarm!) gegessen.

Es war einmal eine Zeit, die brauchte Helden, damit man von ihr erzählt.

[1] Historienbilder erzählen: Cy Twomblys „Lepanto“, Ceryx.de
[2] So steht’s jedenfalls im Reiseführer: Heidemarie Böcker, Regensburg, Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2009


Verführung

Am Regensburger Domvorplatz stehen imposante Patrizierhäuser, zum Beispiel das um 1300 errichtete Haus Heuport. In dessen Innenhof gibt es eine Holztreppe hinauf zu einem Festsaal.

Vermutlich drohte den Bürgerstöchtern auch in mittelalterlichen Festsälen Verführung, weshalb man – so die Legende – an der Mauerecke zwei kleine Figuren anbringen ließ, wobei die dargestellte Szene die höheren Töchter zur Vorsicht mahnen sollten: ein junger Mann reicht der glücklich strahlenden jungen Frau einen Apfel. Was die Bezirzte nicht sieht, ist die Schlange, die sich im Rücken des Mannes aus seinem Gewand windet.

Adam und Eva und der Rollentausch, anno 1330.

Ein Sonntagnachmittag in Regensburg

„Eine Entscheidung am grünen Tisch fällen.“
„Etwas auf die lange Bank schieben.“

Redensarten, die wir dem Immerwährenden Reichstag zu Regenburg (1663-1806) verdanken


Die Steinerne Brücke, auf den Donauinseln, am Rathaus, vor dem Dom und vor Geschlechtertürmen – ein paar fotografische Impressionen aus der sehr schönen, lebensfrohen Regensburger Altstadt: