Posts Tagged: Robotik

Forscher des KIT haben vor Kurzem einen spannenden und trotz Paywall (fragen Sie Ihre Bibliothek) sehr empfehlenswerten Überblicksaufsatz zur Verknüpfung technischer Systeme mit Lebewesen veröffentlicht. (Die Chemie [Kapitel 4] habe ich mangels Kenntnissen überblättert.) Aus der Präambel:

Die Bezeichnung „Cyborg“ ist ein Akronym für einen kybernetischen Organismus, der eine Chimäre aus einem lebenden Organismus und einer Maschine beschreibt. Infolge der zahlreichen Anwendungen intrakorporaler medizinischer Systeme sind Cyborgs nicht mehr nur Gegenstand der Science-Fiction, sondern technisch gesehen tatsächlich bereits ein Teil unserer Gesellschaft. In diesem Aufsatz fassen wir die Entwicklungen bei modernen Prothesen und Schnittstellen zwischen Gehirn und Maschine (brain-machine interface; BMI) zusammen und diskutieren die jüngsten Entwicklungen bei implantierbaren Systemen mit einem Fokus auf biokompatibler Elektronik und Mikrofluidik, die für die Kommunikation und Kontrolle von Organismen benutzt werden. Wir beschreiben neueste Beispiele von Tier-Cyborgs und deren Relevanz für die biomedizinische Grundlagen- und Anwendungsforschung sowie für die Bioethik in diesem neuen und aufregenden Bereich an der Schnittstelle zwischen Chemie, Biomedizin und den Ingenieurwissenschaften.

Quelle: Robotergesetze: Die Chemie des Cyborgs / @robotergesetze Deutsche Forscher äußern sich zur Chemie des Cyborgs

Daniel Suarez soll übrigens mit seinem Sci-Fi-Thriller «Kill Decision» hinsichtlich der Tier-Cyborgs gar nicht so weit weg vom Stand der Dinge sein…

Wo ist mein Selbst?

Der Mainzer Philosophieprofessor Thomas Metzinger (u.a. »Der Ego-Tunnel«) im Telepolis-Gespräch über Gehirnforschung und Philosophie – es geht viel um Begriffe, konkret um den des Gedankenlesens, es geht um Pillen und Implantate zur Leistungssteigerung, und es geht um Selbstmodelle und unser „Ich“ in einer virtualisierten Welt. Den ersten Teil des Gespräches gibt es derzeit nur im Telepolis-Special MENSCH+ (als Print oder als eBook), der zweite Teil ist auch online abrufbar.

Metzinger spricht im ersten Teil auch über das Projekt „Virtual Embodiment and Robotic Re-Embodiment (VERE)“ und dabei über die Frage,

ob man das Selbstbewusstsein in virtuelle Körper, in Avatare oder eben in Roboter dauerhaft transferieren, also vollständig in einen zweiten Körper übersetzen kann. Da spielen neu entwickelte Gehirn-Computer-Schnittstellen (BCI) eine Rolle und tatsächlich sind bereits erste Erfolge zu verzeichnen. Zum Beispiel ist es gelungen, direkt über ein drahtloses Brain-Computer-Interface einen Roboter mit Bewegungsvorstellungen zu kontrollieren (durch Offline-Simulation einer Körperbewegung mit dem eigenen Selbstmodell im Gehirn; das nennt man ein motor imagery-BCI). Der Roboter bewegt dasselbe Körperteil wie der Proband in seiner Vorstellung und man kann mittels einer Spezialbrille auch gleichzeitig durch dessen Kamera-Augen sehen. Wo ist Ihr selbst, wenn Sie mit der Gedankenkraft so einen kleinen Roboter zum Laufen bringen, ihn dann umdrehen lassen und Ihren physischen Körper durch die Augen des Roboters von außen betrachten? Es ist also prinzipiell möglich, über einen drahtlosen Link mit dem eigenen Selbstmodell direkt das Körpermodell eines Roboters zu steuern.

Zitat aus: Reinhard Jellen, »Und morgen ein iPhone im Kopf?«, Gespräch mit Thomas Metzinger, Telepolis special 01/2012, S. 81; Hervorhebung von mir


Roboterlinks

Angeregt auch durch die jüngst erfolgte Inbetriebnahme einer automatisierten Montageanlage mit einem Denso-Roboter zu Lehr- und Forschungszwecken an der Hochschule hier ein paar Links zu aktuell gefundenem Robotik-Stuff im Netz.

Universal jamming gripper shooting demo (Cornell University):

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Boris Hänßler bringt in Viel Arbeit im Roboterhaushalt interessante Beispiele aus der RoboCup@Home Liga.

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Bei Telepolis gibt es einen Text – Lasst die Maschinen machen – von Prof. Dr. Hans-Dieter Burkhard vom Institut für Information an der Humboldt-Universität zu Berlin. Der Text stammt aus dem neuen Telepolis-Buch »Kriegsmaschinen. Roboter im Militäreinsatz« und hat den Untertitel „Wie intelligent ist die Künstliche Intelligenz?“. Burkhard thematisiert nicht zuletzt die Koexistenz von Maschinen / Robotern und Menschen.

Ein Orchester, bestehend aus Robotern?

Atsuo Takanishi hat einen Roboter gebaut, der Flöte spielt. Derzeit entwickelt er einen Saxophon spielenden Partner. – Warum könnte das sinnvoll sein?

Die menschliche Motorik besser zu verstehen, ist eines seiner Ziele. Wenn Roboter Mimik zeigen und auf menschliche Emotionen reagieren können – die Mensch-Maschine-Interaktion wäre um Einiges spannender! Solch ein Roboter wäre sicher flexibler in der Pflege z.B. Älterer einsetzbar, eine Domäne, auf die man in Japan in weiser Voraussicht technologisch fokussiert.

(via IEEE Spectrum, hier ein Video, der Flötist beim Spielen)

Vorsprung durch Technik

Japan ist weltweit die am schnellsten alternde Gesellschaft. Und die Japaner sind technik-affin. Sicher lohnt also mehr als ein Blick nach Fern-Ost, um zu lernen statt über den schrumpfenden Methusalem zu schwadronieren.

Das japanische Wirtschaftsministerium fördert die Robotik mit einem jährlichen Wettbewerb, dem sogenannten Roboter-Oskar, für bereits auf dem Markt befindliche Roboter. Die Branche boomt, gegenwärtig sollen jährlich 4,5 Milliarden US-Dollar umgesetzt werden. Insbesondere den Haushalts- und Altenpflegerobotern gehört die Zukunft.

Wenn ich dereinst sabbere und nicht mehr selber essen können sollte: MySpoon füttert mich bestimmt weniger genervt als überforderte menschliche Pfleger!

(s. Florian Rötzers Artikel bei Telepolis)