Posts Tagged: Studiengebühren

Auf’m Campus #10

  

Das Semester ist schon / erst zur Hälfte ‚rum – doch der Blick reicht schon weit ins kommende Jahr: während Studis sich zwischen Ersti-Party und Weihnachten auf Studiengebühren einrichten (Klick links), liegt dort rechts die materialisierte Lehrplanung für den kommenden Sommer.

Ungerecht!

Hessen ist bisher das einzige Land weltweit, das einmal eingeführte Studiengebühren wieder abschafft. Das nennt man Alleinstellungsmerkmal.

Studiengebühren gibt es in Hessen gerade ‚mal zwei Semester. Positive Effekte für eine bessere Lehre sind einige zu spüren, insgesamt ist es aber natürlich zu früh für ein Resümee. Die verfassungsrechtliche Entscheidung des Staatsgerichtshofes steht noch aus, die Abschaffung passierte auf parlamentarischem Wege. Die Oppositionsführerin beruft sich dabei auf Gerechtigkeit.

Was hat es aber mit Gerechtigkeit zu tun, wenn die Allgemeinheit nun wieder allen gleichermaßen, auch den Studierenden aus begütertem Elternhaus, das u.U. lange währende Studium ohne Selbstbeteiligung finanziert? Die Allgemeinheit kommt für den Einnahmeverlust der Hochschulen auf, dieser wird ihnen aus dem Landeshaushalt erstattet. Nach geltender Kapazitätsverordnung sind neue staatliche Zuschüsse jedoch ausschließlich zur Schaffung neuer Studienplätze zu verwenden. Die Folge wird also vermutlich sein, dass die Qualität von Lehre und Betreuung weiter sinkt.

Es ist auch Quatsch zu behaupten, dass nun wieder Studierende aus ärmeren Haushalten sorgenfrei studieren könnten. Studiengebühren selektieren nämlich offenbar nicht in relevantem Maße, sonst wäre der Bewerberandrang auf die Hochschulen in der gebührenfreie Insel hier im Westen – Rheinland-Pfalz – größer gewesen.

Der Begriff Gerechtigkeit ist m.M. völlig falsch in dieser Diskussion. Worum es geht ist, Chancengleichheit statt Verteilungsgerechtigkeit beim Zugang zur Bildung zu schaffen! Die fast 100 Mio. Euro, die Hessen nun den Hochschulen erstattet, wären in Kindergärten und Grundschulen eine in diesem Sinne weitaus bessere Investition in die Zukunft gewesen!

Auf’m Campus #5

Eine Studierenden-Vollversammlung mit anschließendem Aufbruch zu einer Demo gegen Studiengebühren. An einer 10.000er Hochschule!

Studiengebühren

Da, wo ich seit kurzem bin, gibt es ja (noch dem geltendem Landesrecht entsprechend) Studiengebühren: 500 Euro pro Semester werden fällig. Die Einnahmen werden zur Verbesserung der Lehre verwendet, wofür konkret, das wird mit den studentischen Fachschaften in den Fachbereichen gerade zum zweiten Male ausgehandelt und umgesetzt.

Im öffentlichen Raum und auf dem Campus nimmt man seitens der Studierenden ausschließlich solche Standpunkte wahr, die sich gegen Studiengebühren wenden. (Ein radikal-populistisches nicht unterzeichnetes Flugblatt fordert die Abschaffung und Rückzahlung jeder Art von Studiengebühren und darüber hinaus die Abschaffung jeglicher die Individualität einschränkender Reglementierungen des Studiums; aber das führt jetzt und hier zu weit.)

Doch die wirkliche Lage hinsichtlich des Meinungsbildes der Studierenden in Deutschland ist vielfältig bis paradox, wie die Untersuchung „Kredite zur Studienfinanzierung“ (HISBUS-Kurzinformation Nr. 19) aufzeigt.

Etwa ein Drittel der Studierenden lehnt eine Finanzierung ihres Studiums über Kredite rundweg ab. Gleichzeitig fühlen sich 80% der Studierenden in einer finanziellen Situation, die sie als okay, sprich gut aber nicht entspannt, empfinden. Über die Hälfte der Studierenden findet, dass sie selbst für die Finanzierung des Studiums verantwortlich sind. Aber gleichzeitig sind fast zwei Drittel der Ansicht, dass Bildung eine öffentliche Aufgabe sei. Über zwei Drittel der Studierenden haben noch nicht darüber nachgedacht, ihr Studium per Studienkredit zu finanzieren, nur 6 % haben einen solchen aufgenommen. „Lieber“ jobben zwei Drittel der Studierenden neben dem Studium und verpulvern „nebenbei“ unnötig Studienzeit (womit sich weiter Studiengebühren aufsummieren), obwohl sie via Studienkredit die Chance auf eine relativ günstige Finanzierung hätten. Dabei wird die berufliche resp. wirtschaftliche Perspektive optimistisch gesehen: nur 9 bis 14 Prozent der Studierenden hat größere Bedenken, den Kredit nicht zurückzahlen zu können.

[UPDATE:] siehe auch Rolle rückwärts (Die ZEIT)

[noch ein UPDATE:] siehe auch Unis lassen Gebühren ungenutzt (DerWesten: WAZ-Portal)

Das Programm Selbstverblödung

Evaluation und Controllingansätze sind im Bildungswesen, an den Hochschulen mittlerweile Alltag geworden. Selbst auch damit befasst, aus der Wirtschaft kommende Managementmethoden zu adaptieren, dabei die Unzulänglich- und Vergeblichkeiten, Versuche und Scheitern, Aktionismus und Beharrungsvermögen reflektierend, Amateure, Macher, Zuschauer, Zyniker, Idealisten, Kritiker, Skeptiker, Gewinner, Verlierer auf allen Strukturebenen beobachtend – in dieser Situation lese ich nach einem Hinweis von Infobib die in der taz abgedruckten Auszüge der Abschiedsvorlesung von OSI-Professor Bodo Zeuner.

„Das Programm Selbstverblödung“ des Alt-68ers Zeuner ist eine scharfzüngige, persönliche und personifizierte Abrechnung mit der Ökonomisierung des Bildungswesens, mit der Doktrin von der Universität als Unternehmen, mit den Methoden des New Public Managements.

Das Ziel dieses Wandels ist es, Hochschulen zu schaffen, die privat nutzbare und auf dem Markt veräußerbare Waren produzieren.

Man kann auch formulieren: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren. (Dass das wirtschaftlich risikofreie Agieren am Markt, wenn noch dazu mit Dumpingpreisen, diesen Markt oft kaputtmacht, ist ein anderes Thema.)

Der Witz bei dieser Marktunterwerfung ist, dass sie selbst dann funktioniert, wenn kein realer Markt existiert, auf dem Güter und Dienstleistungen gegen Geld getauscht werden. Eine Industrie von Ranking- und Evaluierungsfirmen versucht, einen Markt zu simulieren, auf dem die einzelnen Universitäten erbittert und besinnungslos um Anteile und Positionen kämpfen.

Zeuner kritisiert auch die Veränderungen in der Binnenstruktur der Hochschulen, idealisiert die Humboldtsche Gelehrtenrepublik und die 68ff erkämpfte Gruppenuniversität und deren akademische Selbstverwaltung, kritisiert die unternehmerisch ausgerichteten Parallelstrukturen wie die Stabsgruppe eines präsidialen Chefmanagers. Und er beklagt die Entsolidarisierung: