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Kitsch & Avantgarde

„In einer Kultur,
in der niemand mehr Marx liest,
und kontroverse Diskussionen sich eigentlich nur noch um Sport drehen,
ist das Regietheater
zur letzten verbliebenen Schrumpfform linker Weltanschauung degeneriert.“

Daniel Kehlmann, Rede zur Eröffnung der Salzburger Festspiele, 25.07.2009


Daniel Kehlmann hat mit seiner Rede [1][2] zur Eröffnung der Salzburger Festspiele Mut bewiesen und fast einen Eklat herbeigeführt. Er stellte die Auswüchse des dominierenden Regietheaters: Videowände und Spaghettiessen bloß und verspottete die, die ein solches Theater goutieren.

„Denn wer ein Reihenhaus bewohnen,
christlich oder ökologisch konservative Parteien wählen,
seine Kinder auf Privatschulen schicken will
und es dennoch für zwingend notwendig hält,
sich als aufgeschlossener Bohemien ohne Vorurteil zu fühlen,
was bleibt dem denn anderes als das Theater? „

Es liegt wohl an seiner Profession, dass er die Texte, den Autor vor den Regisseuren in Schutz nimmt. Dies ist auch völlig berechtigt.

Die Unterschrift unter den Heidelberger Appell bleibt für mich allerdings unverständlich.

(via Begleitschreiben)

[1] Video-Stream und Kommentar beim ORF
[2] »Die Lichtprobe« (vollständige Rede)

s.a. CARGO


Ein kurzer Text zum langen Abschied

Ein paar Folgen also noch, dann ist Schluss mit geistvoller Unterhaltung im Spätabendprogramm der ARD. Dann wird geblödelt. Und Harald Schmidt wird genau so unglücklich aussehen, wie einst neben Waldemar Hartmann. (Oder so gequält wie beim Talken mit seinen zahlreichen B- und C-Promi-Gästen in den letzten Wochen.)

Statt die Nische, eine kleine Oase intelligenter Unterhaltung zu pflegen, fokussiert man die durch Nachmittagstalkshows und ubiquitäre deutsche Comedy weichgeklopfte Zielgruppe, und erliegt dem als Trend langsam obsoleten Jugendwahn.

Ich jedenfalls habe keine Lust dergleichen Oberfläche zu ertragen, und warte auf die nächste TV-Auszeit aka schöpferische Krise von Harald Schmidt. Demnächst dann im Stadttheater

Gehört, Gesehen 2006

Lesungen, Theater, Konzerte, Ausstellungen, neue Musike im Jahre 2006

Jung, schön, ohne Bildung, von Macht besessen

Das sind die fatalen Ingredienzen für ein glamouröses Leben, zumindest für das weibliche Rollenmodell irgendwo in der bürgerlichen Mitte. Wenn das fragile Fundament bröckelt, bricht sich Zerstörungswut Bahn. Hedda Gabler kann ihr selbstgebautes Gefängnis nicht sprengen, ohne sich selbst zu zerstören: „Um Gottes willen – so etwas tut man doch nicht!“

Was Henrik Ibsen vor über 100 Jahren für die bürgerliche Gesellschaft zu sagen hatte, ist heute für breitere Schichten relevant. Die Probleme sind diffundiert, sozialer Aufstiegszwang und Abstiegsangst in allen finanziellen Schichten der Gesellschaft evident. Thomas Ostermeier hat Recht, Ibsen ist für uns relevanter als Tschechov, als Revolutions- oder Betroffenheitsstücke, als zur Schau gestellte soziale Empathie mit den zu kurz Gekommenen dieser Welt.

Nach »Nora« eine weitere tolle Aufführung an der Schaubühne am Lehniner Platz. (Und so ganz nebenbei bekommt man auch noch einen heißen Tipp, was man mit einem Thinkpad auch anstellen kann.)

Gehört, Gesehen 2004

Lesungen, Theater, Konzerte, Ausstellungen, neue CDs