Thermodynamik ganz praktisch

Ich lese gerade »Die Entstehung des Wohlstands. Wie Evolution die Wirtschaft antreibt« von Eric D. Beinhocker, aber ich stecke noch im 3. Kapitel. (Später sicher mehr zu diesem spannenden Buch.) Augenblicklich, an dieser Stelle, geht es um die Kritik an den immer noch kanonischen Paradigmen der Wirtschaftswissenschaften, die auf den unausgegorenen physikalischen Erkenntnissen und deren platter Übertragung vor langer Zeit beruhen. Alles strebt nach Gleichgewicht, offene Systeme werden ignoriert usw..

Aber inzwischen, seit dem Ende des 19. (sic!) Jahrhunderts, gibt’s den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik, der kurz gesagt besagt, dass die Entropie als das Maß für die Unordnung oder den Zufallsgrad in einem System stets zunimmt. Beinhocker illustriert das mit einem Beispiel aus dem Alltag, das ich so einprägsam und zugleich amüsant finde, dass ich es hier bringe:

Wir […] stellen uns vor, der zweite Hauptsatz hätte unser Zuhause während einer arbeitsintensiven Woche von einem Zustand der Ordnung in einen Zustand der Unordnung versetzt. Wir beschließen, etwas Energie zu investieren, um die Entropie zu bekämpfen, und legen einen Putztag ein. Schrubbend und wischend verbrennen wir die mitgebrachten Kalorien, während Staubsauger, Spülmaschine und Waschmaschine Strom aus der Steckdose ziehen. Hochgradig geordnete Materie in Form von Essen, Kleidung, Reinigungsprodukten und so weiter dringt in unser Haus. Zugleich erhält das Universum seine Entropie zurück in Form von Wärme, die wir und unsere Geräte in die Umgebung abgeben, und Unrat, den wir der Müllabfuhr und der Kanalisation anvertrauen. Das System unseres Hauses importiert also Energie und Materie, um damit innerhalb seiner Wände mehr Ordnung zu schaffen, und gibt im Gegenzug Entropie in Form von Wärme und ungeordneter Materie an die Umgebung ab.


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