Über Schönheit

Während gestern abend am anderen Spreeufer im BuKa krampfhaft über Minischritte hin zu einer wirtschaftlichen Besserung in Deutschland gestritten wurde, war im Haus der Kulturen der Welt eine zunehmend lockerer werdende Party im Gange: die Eröffnung der Ausstellung und Projektwochen »Über Schönheit«.

Dass Schönheit nicht objektiv zu vereinheitlichen, sondern abhängig von der Wahrnehmung durch den Betrachter ist, gibt seit Jahrtausenden Philosophen und Künstlern aller Couleur die Folie für ihr Schaffen. Ausstellung und Projekte im HKW haben einen starken Fokus auf Asien, dort weiß man seit jeher, dass körperliche Schönheit vergänglich ist – und rühmt die Schönheit der Seele. (Während man im Westen auf das Formale fixiert ist.)

Die Projekte (Vorträge, Filme, Symposien, Workshops, Tanz, Konzerte, …) der nächsten Wochen heißen u.a. »Die schöne Seele«, »Der perfekte Mensch«, »Der musikalische Moment«, »Die sinnliche Stadt« und »The Re-Turn of Beauty«. Die Ausstellung glänzt vor allem mit starken Video-Arbeiten und Objekten.



Kent Nagano hielt bei der Eröffnung eine launige, doch tiefsinnige Rede zur Frage „What is beauty?“. Dazu erzählte er die Episode, wie er abends im Dunkeln zur Arbeit ins Opernhaus ging, durch das berliner half-snow-half-rain-weather, völlig durchnässt, schlammbespritzte Schuhe, derangierte Haare (Er hat derer etwas längere.) Der Himmel über Berlin dramatisch bewölkt. Plötzlich singt ein Vogel, verführt zum Stehenbleiben und Lauschen…

Vor Monaten, ach Jahren, habe ich auch mal über den Begriff der Schönheit nachgedacht, was das sei, jenseits der medial omnipräsenten, glatten, normierend langweiligen Art. Meine Kriterien waren (und sind):

1. Verdichtung von Formen: Keine bestimmte Form, sondern intensive Form-Erfahrung
2. Freude am Neuen: Die Erfahrung einer Differenz ist essentiell, das ist mehr als Innovationsfreude
3. Symbolik der Perfektion: Kein bestimmter Kanon, sondern wenn das Objekt den Betrachter zur Projektion einlädt
4. bedeutsamer Inhalt: Dies erschließt sich vor allem, wenn es mit anderen drei Kriterien im Konflikt liegt. (Man kann eine intensive Form, eine Innovation, etwas Vollkommenes trotzdem ideologisch oder moralisch oder … ablehnen.)

Irgendwie stehe ich immer noch dazu, man kann auch sagen: intellektueller Bullshit, Schönheit ist im Betrachter oder ist nicht.

Zurück zur Ausstellung(seröffnung), zu ersten Eindrücken. Mir scheint’s, moderne chinesische Künstler dominieren, mit Video-Raum-Objekt-Installationen, mit Tanz-Performances, mit Bildern. Aber auch woanders her kommt am ersten Abend Bemerktes: Verstörend gut die loopende Videoinszenierung alter menschlicher Körper zu Strawinskys Le sacre du printemps oder der islamische Film „Passage“ mit Philip Glass‘ Musik. Gespannt bin ich, wie die Posteraktion hier in Kreuzberg oder Neukölln wirken wird, bei der westlich figurbetonte Werbewelt, ein Pin-Up, mit arabischer Schrift (Jokes) kombiniert wird.

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