Überflüssige Städte

Wieder einmal ein — wenn auch kurzer — Text zum Thema Schrumpfen. Ein brisantes Dauerthema, über den Tag hinaus weisend, aber noch ohne Diskussion in der ganzen Gesellschaft, trotz »Shrinking Cities«, IBA und all dem.

Vor einiger Zeit tat in der Zeit Herr Henrich etwas launig doch nicht unsymphatisch seine Meinung zum Thema als Nicht-Experte und Bürger kund:

Dann habe ich hier mehr Platz. Das Land hier war ja nie so dicht bevölkert wie der Westen. Hier sind zur Zeit der DDR die Leute hergeschafft worden, um die großen Kombinate mit Arbeitskräften zu versorgen. Ich kann mir eine ländlichere Struktur vorstellen in Brandenburg und Mecklenburg, die den Raum Berlin versorgt. Mit Nahrungsgütern, aber auch mit etwas, das den Namen Tourismus verdient. Das muss keine Katastrophe sein. Im Gegenteil, dann hört es endlich auf mit diesen Großprojekten.



Nun, in der aktuellen Ausgabe der Zeit, äußert sich der profunde Kenner des Themas Wolfgang Kil (s.a. da und da und da).
Städte und Regionen, die für die Wirtschaftskreisläufe uninteressant geworden sind, die aus Sicht der Ökonomen schlicht „überflüssig“ sind, sind auch nicht durch ein paar engagierte Akteure unter den Eigentümern, Kaufleuten, Gewerbetreibenden, Vermietern und Bewohnern wirklich bzw. nachhaltig zu retten. Basis solcher Ideen ist das ungebrochene, aber nicht mehr zu haltende Wachstums-Paradigma. Bei Kil läuft alles auf die Frage zu:

Auf welche Stadt kann man verzichten, auf welche nicht? Wer darf, wer muss darüber entscheiden? Unsere Gesellschaft als Ganzes muss sich fragen, was ihr die Zeugnisse der Bau- und Kulturgeschichte wert sind und wie deren Erhalt zu sichern wäre. Die Zeit drängt, die Uhren des Verfalls ticken unbarmherzig.

Wenn Kil sagt, dass die Zeit drängt, dann meint er – von den staatlichen Statistikern unterstützt – einen Zeithorizont, der nicht einmal so weit in die Zukunft reicht, wie zurückblickend die Wiedervereinigung her ist. Kann gut sein, dass man bald Landschaftsgärtner sucht…

s.a. zeit.de

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