Ungerecht!

Hessen ist bisher das einzige Land weltweit, das einmal eingeführte Studiengebühren wieder abschafft. Das nennt man Alleinstellungsmerkmal.

Studiengebühren gibt es in Hessen gerade ‚mal zwei Semester. Positive Effekte für eine bessere Lehre sind einige zu spüren, insgesamt ist es aber natürlich zu früh für ein Resümee. Die verfassungsrechtliche Entscheidung des Staatsgerichtshofes steht noch aus, die Abschaffung passierte auf parlamentarischem Wege. Die Oppositionsführerin beruft sich dabei auf Gerechtigkeit.

Was hat es aber mit Gerechtigkeit zu tun, wenn die Allgemeinheit nun wieder allen gleichermaßen, auch den Studierenden aus begütertem Elternhaus, das u.U. lange währende Studium ohne Selbstbeteiligung finanziert? Die Allgemeinheit kommt für den Einnahmeverlust der Hochschulen auf, dieser wird ihnen aus dem Landeshaushalt erstattet. Nach geltender Kapazitätsverordnung sind neue staatliche Zuschüsse jedoch ausschließlich zur Schaffung neuer Studienplätze zu verwenden. Die Folge wird also vermutlich sein, dass die Qualität von Lehre und Betreuung weiter sinkt.

Es ist auch Quatsch zu behaupten, dass nun wieder Studierende aus ärmeren Haushalten sorgenfrei studieren könnten. Studiengebühren selektieren nämlich offenbar nicht in relevantem Maße, sonst wäre der Bewerberandrang auf die Hochschulen in der gebührenfreie Insel hier im Westen – Rheinland-Pfalz – größer gewesen.

Der Begriff Gerechtigkeit ist m.M. völlig falsch in dieser Diskussion. Worum es geht ist, Chancengleichheit statt Verteilungsgerechtigkeit beim Zugang zur Bildung zu schaffen! Die fast 100 Mio. Euro, die Hessen nun den Hochschulen erstattet, wären in Kindergärten und Grundschulen eine in diesem Sinne weitaus bessere Investition in die Zukunft gewesen!

2 Comments

  1. Stefan Mittwoch, 4. Juni 2008

    Richtig, richtig, richtig! Dummerweise sind Weltverbesserer, die ein vermeintliches Übel entdeckt und das Patentrezept zu dessen Überwindung gefunden haben, für Argumente kaum noch zugänglich. Die Abschaffung der Studiengebühren ist gut gemeint – und gut gemeint ist hier, wie so oft, das Gegenteil von gut gemacht.

    Im übrigen werden durch das kostenlose Studium nicht nur Kinder aus wohlhabenden Familien “mitsubventioniert”, sondern auch die Faulen und Dummen genauso unterstützt wie die Intelligenten und Fleißigen. Manche Menschen haben einfach eine völlig kranke Vorstellung von Gerechtigkeit …

  2. Jörg Friedrich Donnerstag, 5. Juni 2008

    Es wird dich nicht überraschen, aber ich möchte dir trotzdem sagen, dass du völlig recht hast. “Gerechtigkeit” ist so ein leeres Wort, damit kann man nicht argumentieren.

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