Unkritischer Umgang mit Internetsuchmaschinen?

Experten warnen vor sinkender Wissensqualität und sehen die Ursache im unkritischen Umgang mit Internetsuchmaschinen. – Man prügelt auf das Medium, aus Angst … wovor eigentlich? Natürlich steckt im Deep Web ’ne Menge wertvolles Wissen, was leider nicht ausreichend erschlossen und zugänglich ist. Und Informationsgewinnung kann selbstverständlich auch aus dem Brockhaus unkritisch erfolgen.

Auf Inetbib wird diese „Expertenhaltung“ von Klaus Graf zu Recht angeprangert, Rainer Kuhlen pflichtet bei:

Es ist durch empirische Untersuchungen hinreichend nachgewiesen, dass eine pauschale Aussage, dass ein Brockhaus wesentlich wertvoller ist als die Wikipedia, eindeutig falsch ist. Man kann tausende Wikipedia-Artikel angeben, aus denen kritische Studierende wesentlich substantiellere Informationen entnehmen koennen als aus dem Brockhaus.

Fundierte Informationen sind via OAIster oder Google Scholar oder Google Book Search oder Google Websuche sehr wohl zum Nulltarif (also ohne zusaetzliche Lizenzkosten) zu haben. Nach meiner langjaehrigen Erfahrung bieten kostenfreie bibliographische Datenbanken im Netz sehr wohl bessere bzw. wertvolle ergaenzende Informationen als die in den Hochschulnetzen Angebotenen.

(via inetbib)

4 Comments

  1. Fischer Montag, 22. Oktober 2007

    Drehen wir’s doch einfach mal um:
    “Unkritischer Umgang mit allem, was auf Papier gedruckt in ner Bibliothek rumsteht, ist nach Ansicht von Experten völlig O.K.”

    So klingen die Jungs auch. Als wenn nicht bekanntermaßen ein geschlagenes Drittel aller Papers selbst in peer-reviewed Journals… hmja… sagenwirmal: dringend hinterfragebedürftig wäre.

    • jl Dienstag, 23. Oktober 2007

      Es ist tatsächlich gängige Meinung, dass bei einem gedruckten Text, erst recht bei einem Buch, die Qualität per se höher wenn nicht sakrosankt ist. Manche dieser Menschen sollte man als Herakles zwangsverpflichten, damit in die langen Regalreihen veralteter Fach- und Sachliteratur wieder ein bissel frischere Luft wehen kann.

      “bekanntermaßen ein geschlagenes Drittel” – kannst du dafür Belege bringen, Lars?

  2. Fischer Dienstag, 23. Oktober 2007

    Natürlich kann ich das nicht per se belegen. Schließlich gilt peer-review als Qualitätsmerkmal schlechthin. ;

    Die Einschätzung basiert allerdings auf einer Reihe von Quellen, z.B. Schätzungen aktiver Forscher, eigener Lektüre und Erfahrungen.
    Dieser Schätzwert ist für einzelne Fachgebiete durchaus durch unabhängige Untersuchungen belegt. Beispielhaft seien die Arbeiten von Beck-Bornhold und Dubben zu dieser Fragestellung im Bezug speziell auf Onkologie-Literatur angeführt.

    Die genauen Zahlen dürften von Gebiet zu Gebiet erheblich schwanken, Tatsache ist, es wird unglaublich viel fragwürdiger Kram publiziert.

    Wenn dich das Thema interessiert, schreib mir ne Mail, dann erläutere ich das mal im Detail.

  3. Jörg Friedrich Mittwoch, 24. Oktober 2007

    Einerseits und andererseits…

    Bei Druckerzeugnissen gibt es wenigstens ein Mindestmaß an Qualitätssicherung – das gilt sowohl für Zeitungen als auch für Bücher, auch gerade bei Zeitungen der Aufwand für inhaltliche und formale Prüfungen abzunehmen scheint.

    Andererseits erwerben die Benutzer des Internet gerade durch die offensichtliche Vielfalt der Informationen eine ungeahnte Autonomie und Medienkompetenz (ich will damit sagen, dass sie immer besser in der Lage sind, die Qualität einer Information richtig zu beurteilen, Lücken und Fehler zu erkennen) – diese Fähigkeit besteht bei der aneignung gedruckter Informationen nicht (oder nicht in genügendem Maße)

Comments are Disabled

%d Bloggern gefällt das: