Von Trulli, Ruinen und der deutschen Schwierigkeit mit französischen Stilelementen

  

Vier Impressionen aus Rheinhessen

Der Wormser Dom gehört, neben derer in Speyer und Mainz, zu den so genannten Kaiserdomen hier in der Region. Er stammt aus dem 12. Jahrhundert, so auch der spätromanische und frühgotische Elemente enthaltende Westchor. Ein in [1] gefundenes Detail hat meine Aufmerksamkeit erweckt:

Die französische Frühgotik war in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts auch in Deutschland bekannt. Nur so erklärt sich der vertikale Höhenzug des Wormser Westchors (1171-1181), der bereits zeitgleich französische Motive wie Rosenfenster, Fialen und andere Details übernahm. Gerade Worms zeigt aber auch die Schwierigkeiten der Einbindung neuer Motive: Die zentrale Rose ist an den Seiten hässlich beschnitten und passt nicht wirklich in den Aufbau der Apsis.

Gelungene Beispiele für integrierte Rosenfenster siehe dort.

Ein weiteres Beispiel für „Italien-Feeling“ in der Rheinhessischen Schweiz: Trulli aus Apulien. Solch ein Trullo steht bei Flonheim auf einem Weinberg. Im 18. Jahrhundert waren dort mehrere Steinbrüche, und schon damals waren hierzulande Gastarbeiter aus Italien zugange. Dieser doch recht kleine Trullo aus dem Jahre 1756 diente den Arbeitern als Schutzhütte, als Aufenthalt innerhalb der Arbeitswoche.

Fast schon im Naheland befindet sich die gesicherte und aufwändig sanierte Ruine der mittelalterlichen Burg Montfort. Steine über Steine, dicke Mauern. – Hier nur eine Giebelwand:

Als Hildegard von Bingen noch nicht so hieß, startete sie ihre Karriere im Kloster Disibodenberg, dessen Gründung und Name auf einen irischen Mönch zurückgeht und ins vorvorherige Jahrtausend verweist. Von diesem steht gleichfalls nur noch die Ruine. Hier ein Detail des Giebels des Hospitals:




[1] Volker Gebhardt, Das Deutsche in der Deutschen Kunst, DuMont, 2004, S. 127f.

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