Vorurteile

Es macht immer wieder Spaß und bringt mir viel, wenn eigene lieb gewordene Vorurteile erschüttert oder hinweggefegt werden. Auf sehr intelligente und informative Weise ist das Rudolf Maresch (Telepolis) und Hans Ulrich Gumbrecht (Stanford) mit einem vierteiligen Gespräch gelungen, das jetzt endlich vollständig verfügbar ist. (1, 2, 3, 4)
Gumbrecht ist vor Jahren in die USA übergesiedelt, lehrt in Stanford Literaturwissenschaft. In den Gesprächen geht es um Einwanderung und Staatsbürgerschaftsrecht, um Rassismus und Huntingtons »Kampf der Kulturen«, um universitäre Bildung und den Bologna Prozess, um das Verhältnis von Freizeit und Arbeit, um Säkularisierung und Religion im Alltag, um College-Sport und Patriotismus, um das Ansehen Amerikas in der Welt und das Selbstverständnis, um Europa und das Verhältnis zur USA, um das Versagen der Geistes- / Kulturwissenschaftler. Dabei ist immer wieder zu spüren, wie Maresch trotz seiner Offenheit und Symphatie für Gumbrecht mit auch mir vertrauten (europäischen) Vorurteilen bei ihm aufläuft. – Sehr lesenswert!

Mein Punkt ist, dass es auf dem Bildschirm meiner Erfahrungen und Lektüren zu viele europäische Intellektuelle gibt, die glauben [wie du vorhin sagtest], sich in und mit Amerika besser auszukennen als die Amerikaner.


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