Wahnsinn

Seit einiger Zeit bin ich ja sozusagen Spät-Erleuchteter von der literarischen Kunst Daniel Kehlmanns. So nach und nach genieße ich seine Bücher, seit gestern ist’s sein Erstling »Beerholms Vorstellung«.

Der Ich-Erzähler ist zur Zeit der nachfolgend von mir wiedergegebenen Äußerung noch Internats-Schüler; mich amüsiert und fasziniert es auch, weil ich inzwischen ja berufsbedingt von lauter Mathematikern (und Physikern) umgeben bin…

Was mir auffiel, damals, in meiner ersten und vorsichtigen Beschäftigung mit der Zahlenwelt, war jedenfalls das: Daß es im Inneren der Ziffern, Gleichungen und Bruchstriche, schillernd und hart wie die Perle im Fleisch einer schläfrigen Auster, etwas Fremdes gibt. Etwas, bei dessen Betrachtung es einem zumute werden kann wie jemandem, der zwischen zwei Spiegeln steht oder von einem hohen Aussichtspunkt […] in die Tiefe blickt. Glaub mir: Es gibt geringere Ursachen für Alpträume als die Entdeckung, daß im Herz der Mathematik der Keim des Wahnsinns liegt.


Comments are Disabled