Wandern auf der Hardangervidda

Urlaub in Norwegen, dem Land, das Slartibartfaß gemacht hat, für das der Fjord-Spezialist gar einen Preis bekommen hat!

Herrlich krickelige Küste.

(siehe Douglas Adams, „Per Anhalter durch die Galaxis„, Kapitel 24 und 30.)

Wir sind nach einem Kurzaufenthalt in Oslo mit der Bergen-Bahn ins Land gefahren und zunächst ein paar Tage auf der Hardangervidda, Europas größter Hochebene, gewandert. Der Begriff „Hochebene“ suggeriert vielleicht, es gäbe dort keine An- und Abstiege. Kletterer mögen lächeln, aber es war ein ständiges Auf- und Ab, so zwischen 1000 und 1300 m über Normal Null. Bei Wind, Regen, Schnee, Sonne, Temperaturen zwischen kaum über Null bzw. 10° C, und teils atemberaubenden Aussichten. Durch die Tundra, von Hütte zu Hütte, teils vom DNT (s.a. „Nach Norden„), teils privat bewirtschaftete, auf jeden Fall mit externem Plumpsklo, keinen großen Schlafsälen sondern meist Doppelzimmern, und immer dreigängigen Abendmenüs. Letzteres war eine große Überraschung, die bergverrückten Norweger feiern das Middag als gemeinsames Event jeden Abend.

Übernachten in Hütten heisst u.a. auch, man sollte seinen eigenen Hüttenschlafsack / sleeping bag, manche sagen auch Jugendherbergsschlafsack, dabei haben. Diese (ausgeliehenen) Leinen- oder Baumwolldinger zerreiße ich immer, und zwar bereits bei der ersten Drehung um die Längsachse. Doch der neue Seidenschlafsack hat sich bestens bewährt: hält, hält auch warm – und ist superleicht! (Übrigens kann man mit solch einem Teil auch bei Übernachtungen im Pensjonat und manchen Hotels Geld sparen!)

Unsere Route war bestimmt von den Empfehlungen im Buch „Walking in Norway“ (nachher fiel mir auch ein anderes, deutschsprachiges Buch auf: „Norwegen: Hardangervidda. OutdoorHandbuch. Der Weg ist das Ziel „), unterstützt durch die Hardangervidda-Karte, ermöglicht durch ein wirklich dichtes Netz an Hütten als „Ankerplätze“ im „Nichts“ der Vidda. Anfangs waren wir verwundert, dass die Tagestouren oft nur wenige Kilometer lang sein sollten. Und dass die dafür veranschlagte Zeit so gar nicht unseren bisherigen Erfahrungswerten entsprach. Es sollte sich herausstellen, dass die Zeitvorgaben einzuhalten keine Selbstverständlichkeit war: wir haben oft überzogen, des Wetters und der Kräfte wegen. (Wir waren an manchen Tagen nicht wirklich gut auf das Wetter eingestellt. Die sonnigen Werbefotos haben uns geblendet. – Andererseits, unsere 7 Sonnentage, immerhin 1/3 der Gesamtreisezeit, hatten wir auch: in Eidfjord, Odda, Bergen [sic!], bei Transfers mit Bahn und Bus.)

Dort wandern übrigens unserer Beobachtung nach relativ wenige Nicht-Norweger. Wir trafen in den Hütten wenige Deutsche, viel mehr Niederländer, einen Schotten, eine Belgierin, einen Franzosen. Das spiegelt nicht die Zusammensetzung der Norwegen-Touristen insgesamt wider: die Kreuzfahrer, Bus- / Auto- / Wohnmobil-Reisenden sind ein anderes Klientel als die Wanderer.

Nun ein paar die Tour beschreibende Bilder und Kommentare…


1. Etappe, von Geilo nach Dyranut mit dem Bus, dann, da schon mittags, kurze Wanderung über Nybu zur Bjoreidalshytta
Sonne und Regen wechseln sich anfangs ständig ab, später nur noch feucht von oben…
eine kleine Furt (mit Schuhe aus & so weiter) war auch dabei

     
     
     

2. Etappe, von Bjoreidalshytta via Trondsbu (mit Zwischentrocknen in der dortigen Hütte) nach Stigstuv
bei Sturm und Dauerregen

     
     

3. Etappe, von Stigstuv (in wieder trockenen Sachen) nach Rauhellern
meist sonnig, schöner Weg, mehrere Regenpfeifer nicht nur gehört sondern auch gesehen

     
     
     
     

4. Etappe, von Rauhellern nach Halne, via Sleipa und, nach langem Warten auf das Boot & Frieren im Regen, mit diesem über den Halnefjord zum Ziel
Cabin (Bruggehus) mit toller Aussicht bekommen

     
     
     

Moltebeere. – Da soll noch ‚mal jemand sagen, ich hätte keinen Humor!

5. Etappe, von Halne nach Kjeldebu
der Tag begann mit Nieselregen, Nebel & der Erinnerung ans Frieren am Tag davor
es wurde eine 6,5 stündige Wanderung mit teils atemberaubenden Ausblicken, vielen permanenten Schneefeldern, tollem Wetter später dann, trotz Temperaturen nahe Null
Kjeldebu ist eine tolle DNT-Selbstbedienungshütte, in diesen ist man übrigens ständig mit irgendetwas bschäftigt: Essen holen, Wasser holen, Öfen heizen, Saubermachen

     
     
     
     
     
     
     
     

Die Hütte sieht man am anderen Ufer lange bevor man am Ziel ist. Wir haben den Rat im Wanderführer beherzigt:

It is possible to see your final destination Kjeldebu and you may be able to cross the south side of Lake 1055, a more direct route to the hut. You will be assisted by low water, long legs, and a bit of luck. Otherwise you must pass north of the lake and proceed around the lake’s west side and over a summer bridge to the hut.

Das war dann glatt eine Extrastunde Wandern. Und ja, die Norweger haben alle Seen durchnummeriert.

     
     

6.Etappe, von Kjeldebu nach Liseth
das war eine doch recht lange Etappe, auch weil wir uns ziemlich am Anfang verlaufen hatten: der Weg war an einem Abzweig ausnahmsweise nicht klar markiert, wir schauten nicht auf die Karte, die „T“s wurden immer dürftiger da abgeschabt – und sind unnötigerweise vom Berg runter an den See, mit Wiederaufstieg ging mindestens eine Stunde drauf
dann schöner Weg, teilweise über Granitplatten auf Tableau: ganz oben sein ist doch toll!
am Ende ein langer Abstieg nach Liseth (beim Vøringfossen), wirklich endlos dann noch durch Matsch und Sumpf am Fluss entlang
den ganzen Tag im Regen gelaufen, nasse Schuhe, keinen einzigen Wanderer getroffen (im Gegensatz zu den anderen Tagen), mehrfach in den Dreck „gesetzt“

     
     
     

aufgeweicht, relaxed, glücklich: kurz vor dem Ziel

     


(Alle Fotos, auf denen ich drauf bin – meist am roten Farbklecks zu erkennen – sind natürlich nicht von mir mit Selbstauslöser gemacht worden, sondern sind von Antje.)

7 Comments

  1. Haken Mittwoch, 5. September 2007

    Ha, jut dass du zurueck bist … endlich wieder mehr zu lesen

  2. Julia Donnerstag, 6. September 2007

    Na, die Wege sehen ja richig gemächlich-gemütlich aus im Vergleich zum Seekar…
    Und so ein dramatischer Wolkenhimmel ist zumindest auf den Fotos viel interessanter als ein blauer!

  3. Holger Donnerstag, 6. September 2007

    wunderschön. tolle kontraste, das muss sich echt mal gelohnt haben.

  4. s.s.s. Freitag, 7. September 2007

    Hmm, das Wetter sieht ja nicht so toll aus… Ich war früher mal mit meinen Eltern da. Kann auch ich wämstens empfehlen.

  5. antjeg Montag, 10. September 2007

    Wow, sehr beeindruckend – da weiß man die warme hütte am abend und das essen sicher zu schätzen…

  6. Hans-Jürgen Stenger Donnerstag, 1. November 2007

    Schöne Bilder, wohltuend unhektische Gegend! Kann mir vorstellen, dass da Kopf und Seele klar werden. Sicherlich nicht einfach, danach wieder in die Hektik der mitteleuropäischen Welt einzusteigen. Vielleicht aber leichter, weil man ein Refugium mehr kennt, wohin man ausbüchsen kann.

  7. Alex Bauer Donnerstag, 26. Mai 2011

    Die Seite ist ein schöner Vorgeschmack auf die Wanderung, die ich diesen Sommer plane. Toll!

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