Wege des Geldes

Am 14. April 2014 erscheint Alexander Kluges neues Buch, das von den VOLLTEXTlern vorab schon als sein wichtigstes, als unser — der Deutschen — wichtigstes Buch bezeichnet wird. (Sie mögen Recht haben, aber Kluges Produktion von Büchern und Filmen, die Frequenz der Neuerscheinungen überfordert mich als Gelegenheitsleser, das zu prüfen.)
Eine sehr kurze Geschichte hat es mir angetan und wird hier nach dem Vorabdruck in VOLLTEXT 1/2014 zitiert:

Wege des Geldes
Wie auf einer Insel amtierte in der Stadt Schneidemühl, weit hinter den Fronten der Roten Armee, noch eine Telefonvermittlung und, örtlich davon getrennt, in einem Nebengebäude des Geldhauses ein Referent der Deutschen Bank. So wurden vom Konto einer Holzgroßhandlung 300.000 Reichsmark telegrafisch nach Minden transferiert, das bereits britisch besetzt war, und auf dem Konto des Bruders des Kontoinhabers, der ebenfalls Holzgroßhändler war, gutgeschrieben. Das Kapital floß ungegenständlich, und ohne Waffenwirkung durchquerte es elektrisch sieben militärische Machtzonen (da weit vorgestoßene sowjetische Kolonnen mit Widerstandsnestern deutscher Truppen und mit alliierten Gruppierungen abwechselten) über Drähte, die noch aus der Friedenszeit an Eisenbahntrassen entlangführten.

Alexander Kluge, 30. April 1945. Der Tag, an dem Hitler sich erschoß und die Westbindung der Deutschen begann.

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