Weltklima und Denkvermögen

Wenigstens in der brandeins behält man – Wolf Lotter – kühlen Kopf, und macht den allgemeinen politisch-ideologischen Ablasshandel (Stichwort: Emissionshandel, Strafsteuern, Betroffenheitsgesülze) nicht mit: Das eigentliche Problem mit dem Weltklima ist der Verlust des Denkvermögens.

Mensch nimmt sich relativ zu wichtig, darum fällt es allgemein so schwer zu akzeptieren, dass die Welt nicht bleibt wie sie ist, dass das Klima sich ändert wie es sich immer schon geändert hat, dass Gebiete, die früher unbewohnbar waren, heute besiedelt sind und vice versa. Und dass es künftig auch so sein wird.

Zum Glück gibt es Wissenschaftler, die nüchtern und sachlich bleiben, die über Anpassungsstrategien nachdenken.

7 Comments

  1. Haken Mittwoch, 7. März 2007

    sicher ist meines erachtens, dass wir die kiste nicht mehr drehen werden. Wir uns also zu wichtig nehmen, wenn wir behaupten wir koennten.

    Dass aber jeder aufgequollene breitgesessene europaeerarsch auf 200ps-furzkissen durch die sich aendernde welt karrt, ist genau so eine auspraegung von sich zu wichtig nehmen … und die weitaus unsympathischere.

    Was wir bescheidenen arbeiter am weinberg schoepfung aber tun koennen, ist versuchen zu raten, von wo nach wo die wanderungen erfolgen werden und uns vorbereiten, damit wir dann mit moeglichst wenig schlaegerei zurecht kommen.

    … und insofern sind mir die “wir nehmen uns zu wichtig, wir koennen es nicht aendern” und am ende “wir sind so unwichtig, wir koennen auch nicht schuld sein” beitraege gar nicht recht.

    • jl Mittwoch, 7. März 2007

      versuchen zu raten, wo wir hin wandern koennten, und dabei mit moeglichst wenig schlaegerei auskommen – das gehoert zur beschriebenen suche nach anpassung.

      das menschen u/o verhaltensweisen unsymphatisch sind, wird immer so bleiben. wir sind halt so, graduelle verschiebungen, andere symptome aendern daran nichts. sind die einen abgestellt, treten andere hervor. so ist nun einmal unsere lebensweise.

      ich finde schon, dass wir uns als kreaturen zu wichtig nehmen, fluch der faehigkeit zum reflektieren.

      • Haken Mittwoch, 7. März 2007

        ja, ja, das stell ich nicht in abrede. Der mensch nimmt sich zu wichtig und stimmt … das mit dem reflektieren ist gut: “Wer sich erkennt, nimmt sich zu wichtig”

  2. sabbeljan Sonntag, 11. März 2007

    das derzeitige – durchaus als aktionistisch zu beschreibende – politische geschrei von leuten, die sich vorher einen dreck um die klimaänderungen gekümmert haben, lässt mich auch mehr als skeptisch zurück. aber daraus, dass populisten sich zu etwas äussern, weil es im politischen mainstream angekommen ist, kann doch noch lange kein grund sein, die annahme der klimawandel ist mindestens menschenbeschleunigt anzuzweifeln, oder? wir wissen doch alle, dass gute wissenschaftlerInnen alles als “möglich” usw. darstellen. denn es ist nun mal der gegenwärtige stand des irrtums. aber mit der gleichen begründung könnte man sich auch auf die seite der kreationisten schlagen, schliesslich bleibt die evolutionstheorie nur ein schlüssiges erklärungsmuster.

    und das mit der menschlichen hybris stimmt auch. aber eben darum gefällt mir der brandeins artikel auch nicht, denn genau der glaube daran, dass wir uns schon anpassen werden und die deiche nur hoch genug gezogen werden müssen, ist genau das grundlegende denkmuster all jener die jahrzehntelang nicht zuhören wollten. genau dies war und ist menschliche hybris.

    die analogie zu eher einfach nachvollziehbaren umweltproblemen drängt sich auf. die chemiekonzerne konnten jahrelang ihre scheisse in die flüsse einleiten. dahinter steckte erstens ignoranz aufgrund wirtschaftlicher interessen und zweitens der glaube, wir können schon gute trinkwasserfilter bauen, um weiterhin trinkbares wasser zu bekommen. aber niemand würde heute mehr auf die idee kommen, diesen “nachsorgenden” ansatz richtig zu finden, oder?

    ich ahne, jürgen, was dich wirklich umtreibt: das pendel schlägt (so sieht es im moment jedenfalls aus – ich glaube allerdings das meiste davon ist nicht ernst gemeint) gerade heftig zur anderen seite aus. und daraus werden gesetze, verbote usw. abgeleitet. eine durchsetzung von wenig freiheitsliebenden politikansätzen. gefällt mir auch nicht. im unterschied zu dir sehe ich allerdings die notwendigkeit.

    ps: wenn die menschen sich nicht so wichtig nehmen sollen (was sie aufgrund der reflektion gar nicht können), warum sollten sie sich dann eigentlich gedanken über die anpassung an die veränderung machen??? ich sehe da einen widerspruch.

    • jl Sonntag, 11. März 2007

      warum menschen sich gedanken ueber anpassung machen sollten? weil lebewesen ueberleben wollen, ganz einfach. unser denkvermoegen erlaubt uns, vorausschauend und vorsorgend zu handeln. aber letztlich sind wir menschen nur eine form von leben auf der erde, andere werden sich auch anpassen koennen, bestimmte wahrscheinlich sogar besser. insofern sind ein paar grad mehr keine katastrophe fuer das leben als solches, fuer die biomasse insgesamt, sondern nur unbequem fuer die homozentrische weltsicht.

      ich wage mal die these, dass das momentane gerede ueber den klimawandel keine nachhaltigen auswirkungen auf das allgemeine menschliche verhalten (fliegen, auto, heizen; es ist einfach humbug, die Ostsee mit Thailand zu vergleichen.) haben wird, dass sich die aufregung bald wieder gelegt haben wird. die bedrohung ist noch zu unkonkret, die gutachten formulieren im konjunktiv. und dass im tv und kino gerade ein paar klimathriller konzipiert werden.

      logisch betrachtet ist die aussage, dass der klimawandel durch menschen beschleunigt wird, wackelig. unsere lebensweise, unser schadstoff-output tragen gewiss nicht zur abkuehlung bei – es sei denn, der golfstrom wuerde unterbrochen. wir nehmen an, wir wissen es aber nicht, ob eine nachhaltige verhaltensaenderung den klimawandel stoppen wuerde. was jetzt nicht zum fatalismus auffordern soll, aber zur besonnenheit.

      man muss einfach anerkennen, dass ein individuell ressourcenschonenderes verhalten gar nichts bringt, wenn fast alle anderen auf dieser welt es nicht auch machen. stichwort emissions-handel. die zeit fuer eine oeko-diktatur ist noch lange nicht reif.

      mir gefaellt der brandeins-artikel nachwievor, schon weil er zur diskussion anregt.

      p.s.: kreationismus ist und bleibt unwissenschaftlich, ist humbug. es reicht, an das erdalter zu denken. was soll das jetzt?

      • sabbeljan Sonntag, 11. März 2007

        ok, das mit dem kreationisten war überzogen 🙂 aber mindestens können wir die evolutionstheorie anzweifeln, auch mit wissenschaftlichen methoden.

        ich sehe einfach häufig die tendenz sich in einer skeptikerrolle wohlzufühlen, weil man sich damit ausserhalb des mainstreams stellt. quasi der “mainstream” des underground, wenn du verstehst was ich meine. bloss weil die mehrheit etwas sagt, ist es ja nicht zwingend falsch, oder? klar, nachdenklich bleiben ist richtig. hab ich ja auch gesagt.

        aber wieso ist “logisch betrachtet ist die aussage, dass der klimawandel durch menschen beschleunigt wird, wackelig” ? der ausstoss von ozonschädigenden gasen hat nachweislich ein loch in der ozonschicht geschaffen und schliesst sich inzwishcen wieder, weil weniger von den gasen in die atmosphäre gelangen. auch der treibhauseffekt wird in der schule gelehrt…..bin ratlos worauf du hinaus willst.

        und das ding mit “was der einzelne tut” nützt nichts, wenn es nicht alle tun, ist – entschuldige – der anfang vom fatalismus. klar, ordnungspolitische rahmensetzung weltweit wären in jedem fall, schneller und wirksamer. aber auch andere globale grenzziehungen haben irgendwo mal klein angefangen, oder?

        aber zum glück bleibt es jedem selbst überlassen, bei sich selbst zu gucken.

        sonnigen sonntag.

        • jl Sonntag, 11. März 2007

          die evolutionstheorie mit wissenschaftlichen methoden anzweifeln? hä? was soll das denn? das ist mir jetzt wirklich zu bloed!

          ich weiss auch nicht, warum realismus und meinetwegen auch skepsis ungesund sein soll, so schnell mit fatalismus gleichgesetzt wird. was hilft denn eine wunschproduktion, sich die dinge zurecht zu legen, damit es ins weltbild passt?

          du hast recht, manchmal mag die mehrheit auch die wahrheit sagen und der einzelne hat nicht deshalb schon recht, weil er gegen den strom schwimmt. aber man sollte die gegenwaertig medial verstaerkten betroffenheitsaeusserungen nicht einer mehrheit zu rechnen, schon gar nicht global gesehen. der drang der zahlenmaessigen wirklichen mehrheit auf dieser welt, endlich auch menschenwuerdig zu leben, so wie wir hier, ist staerker als unsere die umwelt schonende verzichtsbereitschaft.

          mit der logik ist das so eine sache. wir wissen zwar, was von unserem output negative folgen hat, wir wissen aber sozusagen nicht das gegenteil, was passieren wuerde, wenn es diesen output nicht gaebe. das ist nicht falsifizierbar. es gibt nur verschiedene hochrechnungen. wie beim klima so beim ozon: es gibt auch natuerliche schwankungen.

          auch dir einen sonnigen sonntag.

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