Wild Girls

Lettre International 89Ich habe mir ‚mal wieder eine »Lettre International« gegönnt. Friedrich Kittler, Werner Schroeter sind ja (fast) schon Grund genug, aber es gibt Interessantes mehr. Auch sind da meist die großformatigen und gut reproduzierten Fotografien; dieses Mal zusätzlich auch einige, meine Sinne kitzelnde Aquarelle von der in Berlin lehrenden Japanerin Leiko Ikemura.

Diese Aquarelle werden im Inhaltsverzeichnis von einer anonym bleibenden Person – einfach nur genießen reicht ja nicht – wie folgt annonciert:

Die japanische Künstlerin liebt das Wasser. Die femininen Wesen ihrer Aquarelle entstammen einer Sphäre aus Licht, Farbe und fließender Musikalität. Zwischen Rebellion und Zartheit, energischer Behauptung und halluzinatorischer Verflüchtigung bewegen sich ihre transparenten Figurationen in entmaterialisierter Farbigkeit. Spukhaft aufscheinende Antlitze, die zwischen körperlicher Manifestation und geisterhafter Auflösung schweben. Sie verwehren sich dem Ausdruck einer unangefochtenen Identität. Konturen und Flächen bringen transpersonale, fluide Wesen aus dem universalen Repertoire der Gefühlsbewegungen zur Erscheinung, archaisch und elegant, bedrohlich und verletzlich, gegenwärtig und zeitlos. Es sind Metamorphosen der Weiblichkeit, in denen sich auch Ikemuras Verständnis manifestiert, daß „Ich“ kein festes Konstrukt ist, sondern eher ein facettiertes, durchlöchertes, wandelbares, vielgestaltiges, poetisches Etwas, in dem die Unfaßbarkeit von Werden und Vergehen spürbar wird.

Alles klar?

Lettre International hat offiziell keine Rubrik Satire.

Zitat: Lettre International, #89, Sommer 2010, S. 5. Die beiden „ß“ stehen da so im Original, also auch hier.


One Comment

  1. John B Mittwoch, 28. Juli 2010

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