Wir müssen diese Bilder zeigen

Klaus Theweleit spricht im heutigen SZ-Interview über die Folter-Bilder aus dem Irak. Er moniert die Heuchelei westlicher Zuschauer, die sich der Illusion hingeben, in einer zivilisierten Welt zu leben.

Wenn man sich die Linie ansieht, die Pasolini gezogen hat von Sodom über de Sade, den französischen Adel, die Salò und die SS bis zur italienischen Großbourgeoisie, dann liegt darin die Behauptung eines Universalismus der Folter, die schlicht zutrifft. Jede Gesellschaft hat einen bestimmten Prozentsatz von Menschen wie die US-Soldatin Lynndie England, die sich vor gefolterten Irakern ablichten ließ, Menschen, bei denen Sexualität umschlägt in Gewalt, in die Zerstörung des anderen. Unter den Bedingungen des Krieges darf sich diese Neigung endlich Bahn brechen. […]

Wir können diese Bilder verdrängen, aber dann geben wir uns jener Illusion hin, die die harmlosen Ausgaben der Tagesschau verbreiten: dass wir in einer halbwegs zivilisierten Welt leben. Aber eine Öffentlichkeit, die immer noch so tut, als hätte sie nicht gewusst, welche Verwüstungen der Krieg anrichtet, ist scheinheilig. […]

Wenn man sich aber klarmacht, dass das ein Strang unserer Zivilisation ist, dass unsere Gesellschaft dieses ökonomisch-militärische Gewaltpotenzial hat, dass es global angewandt wird, […]


One Comment

  1. Wiepke Donnerstag, 1. Juli 2004

    zuviele leute
    zuviele konsumtouristen
    zuviele bilder einmal quer durch die zeitgeschichte

    und trotzdem:
    zu meiner verwunderung haben mich die seerosen monets trotz ihrer leichten gefühlsduseligkeit begeistert. geplant in einem ovalen raum mit 11 m ihresgleichen bekommen sie eine physische präsenz, die psychodelisch wirkt.

    und gerhard richter, der wirkt fast ähnlich.

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